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Der Großvater der Krawumm-Ästhetik ist wieder da: Sylvester Stallone (64) in „The Expendables“. Kinostart ist an diesem Donnerstag.

Sylvester Stallone: „Ich fühle mich antik“

Auf seinen breiten Schultern trägt er vier Jahrzehnte Actionkino mit sich herum: Sylvester Stallone, 64, ist der Großvater der Krawumm-Ästhetik. Nun hat er alte Haudegen-Kollegen zu einem Klassentreffen der Kraftkerle zusammengetrommelt:

In „The Expendables“ (Kinostart am kommenden Donnerstag) erzählt Stallone als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller von einer abgebrühten Söldnertruppe, die einen südamerikanischen Diktator stürzen soll. Zum Interview erscheint der Action-Senior in ungewöhnlicher Aufmachung: Maßanzug, Krawatte, zartrosa Hemd, blau getönte Piloten-Sonnenbrille, sorgfältig gefärbte und geföhnte Haare. Er spricht mit voluminöser Brummbass-Stimme – und zeigt sich dabei verblüffend spritzig und selbstironisch.

-Fühlen Sie sich wieder jung, wenn Sie Actionkracher drehen? Oder besonders alt?

Ich fühle mich steinalt. Geradezu antik. Wenn ich nach einem anstrengenden Drehtag heimkomme, denke ich jedes Mal: „Warum tust du dir das an? Du musst schließlich nichts mehr beweisen!“ Aber dann will ich doch wieder allen zeigen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre. Ich liebe es nun einmal hart und gefährlich.

-Gab es viele Verletzungen während der „Expendables“-Dreharbeiten?

Oh ja. Ständig wurde jemand von uns ins Krankenhaus eingeliefert – mit verletzter Wirbelsäule, gequetschten Rippen, gebrochenen Fußknöcheln… Das Übliche halt.

-Passiert Ihnen das bei jedem Film?

Nein, nur bei den guten! Je kaputter ich beim Drehen bin, desto besser wird der Film. Wenn ich hingegen am Set eine Menge Spaß habe, ist das Ergebnis meistens katastrophal. Haben Sie sich mal meine Komödien-Versuche angeschaut? Manche davon eignen sich höchstens zum Foltern. Mein heißer Tipp: Wenn Sie ein Geständnis erpressen wollen, zwingen Sie Ihr Opfer einfach, „Stop! Oder meine Mami schießt“ anzusehen!

-„The Expendables“ vereint erstmals Action-Superstars wie Jason Statham, Jet Li, Mickey Rourke, Dolph Lundgren, Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger. Wie haben Sie das geschafft?

In jedem Mann, und sei er noch so alt, steckt ein kleines Kind: Wir mögen zwar Arthritis haben, aber wir suchen immer noch die Herausforderung. Drum waren meine Kollegen sofort an Bord, als ich ihnen erzählt habe, dass ich einen Actionfilm der alten Schule drehen möchte: ohne Tricks, ohne Drahtseile, ohne Stunt-Doubles. Einen Film mit knallharten Kerlen aus Fleisch und Blut – nicht diese Superhelden-Weicheier, die man heutzutage im Kino sieht.

-Wieso tragen die heutigen Actionstars nicht mehr solche aufgepumpten Muskelpakete wie früher?

Jede Generation muss ihre eigenen Helden entwickeln. In den Achtzigerjahren waren trainierte Körper sehr wichtig – es gab einen regelrechten Wettkampf zwischen Arnie und mir. Damals musste man noch ins Fitnessstudio gehen, während man heute dank der Technik die Muskeln einfach am Computer basteln kann. Wir haben unsere nackte Haut getragen – die Jungs heute tragen Anzüge oder Superhelden-Kostüme.

-Wie halten Sie sich in Form?

Wenn ich für einen Film ein bestimmtes Gewicht halten muss, dann esse ich drei Monate lang immer das Gleiche. Viel Eiweiß, keine Kohlehydrate. Wie ein Pferd, das für das entscheidende Rennen fit gemacht wird. Klingt langweilig, zahlt sich aber aus.

-Was raten Sie Ihren jungen Kollegen?

Es gibt einen Haufen unfassbar gut aussehender Nachwuchs-Darsteller, die es nie zum Star bringen werden. Und warum? Weil sie zu glatt sind. Zu eitel. Nicht glaubwürdig. Nicht menschlich. Denn erst kleine Fehler machen uns wirklich interessant und lassen den Zuschauer mitfühlen. Es geht nie um Schönheit, sondern immer nur um die Seele.

-Was ist für einen Film wichtiger: Explosionen oder Emotionen?

Action ist teuer, aber einfach. Gefühle sind riskant – da hat man als Regisseur immer Angst, das Publikum zu langweilen. Doch die Emotionen geben den Explosionen erst ihre Bedeutung: Wenn man möchte, dass sich die Zuschauer mit dem Geschehen auf der Leinwand identifizieren, dann muss man unbedingt zeigen, was der Held tut, wenn er gerade nicht kämpft. Viele moderne Actionfilme haben das nicht kapiert – deren Nonstop-Geballer wirkt so, als würde man bei einem Rockkonzert seinen Kopf in die Lautsprecherbox stecken.

-Sie gelten als furchtlos. Gibt es etwas, vor dem Sie Angst haben?

Ja, vor meiner Frau und meinen drei Töchtern! Ich bin der einzige Mann im Haus – sogar unsere Hunde sind Weibchen. Gegen diese geballte Frauenpower habe ich keine Chance. Beängstigend!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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