Sympathische Kindsköpfe

- Im Jahr 2000 durchlitt Gaylord Focker (Ben Stiller) in "Meine Braut, ihr Vater und ich" stellvertretend für alle heiratswilligen Männer eine unmenschliche Tortur: Er verbrachte ein Wochenende mit dem Vater seiner Verlobten, den Robert De Niro mit unerbittlicher Feindseligkeit darstellte. Offenkundig hatte die Komödie einen Nerv getroffen, denn weltweit stürmten Menschen die Kinos, um zu sehen, wie ein zunehmend ratloser Mann verzweifelt um die Zuneigung seines künftigen Schwiegervaters buhlt.

<P>Die Idee einer Fortsetzung lag nahe. Im zweiten Teil lernen sich nun die Eltern des Paares kennen. Regisseur Jay Roach ist dabei ein wahrer Besetzungscoup geglückt. Die Eltern des unglückseligen Gaylord Focker spielen die beiden Hollywood-Legenden Dustin Hoffmann und Barbara Streisand. Und sie bestimmen im Guten wie im Schlechten diesen Film. Der Schwerpunkt liegt auf der Komik, die sich aus dem Zusammentreffen zweier Kulturen ergibt. Wie aus dem ersten Teil bekannt, sind die Eltern der Braut stockkonservative, angelsächsische Spießer - fast wie von George W. Bush erfunden. Gaylords Eltern hingegen sind jüdische Alt-Hippies, die an den liberalen Idealen der 60er-Jahre festhalten. Es dauert also nicht lange, bis sich die beiden Familien in den Haaren liegen. Was folgt, sind größere und kleinere Scharmützel zwischen zwei verfeindeten Lagern, die durchaus ansehnlich sind. Allerdings leidet die Geschichte unter der sehr ausgedehnten Fehde.<BR><BR>Hoffmann und Streisand reißen diesen Film an sich und zelebrieren mit sichtbarer Lust ihre Auftritte als sympathische Kindsköpfe. Es macht immer Freude den beiden zuzusehen, auch weil die anderen Schauspieler das einzig Vernünftige tun und einen Schritt zurücktreten, um den zwei Egomanen mehr Platz zu geben. Insbesondere Robert de Niro praktiziert das außerordentlich geschickt. Der virile Parademacho de Niro und der sanfte Gutmensch Hoffmann ergänzen sich perfekt, gerade weil sie sich den Klischees ihrer Rollen entziehen. Unter der Oberfläche lassen die zwei Ausnahme-Könner wirklich einen Krieg der Kulturen toben - auch wenn er in diesem Fall glimpflich ausgeht. </P><P>(In München: Cadillac, Cincinatti, Münchner Freiheit, Marmorhaus, Mathäser, Maxx, Neues Rex, Rio, Royal, Sendlinger Tor; i.O. im Cinema, Museum.)<BR><BR>"Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich"<BR>mit Robert De Niro, Dustin<BR>Hoffman, Ben Stiller<BR>Regie: Jay Roach<BR>Annehmbar</P>

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