Tänzelnde Schritte, tanzende Fauste

- Marko Stemper (Daniel Brühl), ein junger Amateurboxer, lebt mit Eltern und Schwester in einem heruntergewirtschafteten Arbeiterviertel in Duisburg. Der Vater ist Alkoholiker und terrorisiert die Familie, die Mutter hält still und gehorcht, die Schwester ist ohnehin eine Zicke. Anerkennung, Rückhalt und eine Art von Geborgenheit erfährt Marko nur im Boxsport.

Erst bei seinem väterlichen Trainer Ali, danach bei Hermsbach (Manfred Zapatka), der den jähzornigen Jungen auf die Profikarriere vorbereiten will. Die Unterstützung, die Halbweltgröße Hermsbach dem talentierten Marko angedeihen lässt, ist aber nicht umsonst, und so findet sich der verdutzte Marko bald als Geldeintreiber in Hermsbachs Bande wieder.

Boxerfilme erzählen letztendlich immer die gleiche Geschichte: Ein Mann will nach oben, und man begleitet diesen sozialen Underdog bei seinem Aufstieg aus dem tristen Elend bis hin zum Championat. Genauso funktioniert auch das Drehbuch von Regisseur Züli Aladag. Doch Aladag bemühte sich, das Pathos und die geschniegelte Oberfläche des Boxsports, die glänzenden nackten Oberkörper im gleißenden Scheinwerferlicht, die tänzelnden Schritte und tanzenden Fäuste der Kontrahenten nicht in der Hochglanzvariante zu präsentieren.

Zwar zeigt auch Aladag den harten Kampf eines Mannes mit sich selbst _ und da bleiben Klischees eben nicht aus. Ansonsten bemüht er sich um eine möglichst realistische Darstellung des Boxmilieus in Deutschland, das mit seinen dubiosen Machenschaften und schmierigen Existenzen gar nicht so recht zu dem Glamour passen will, den Henry Maske oder die Klitschko-Brüder im Ring verströmen. Wie lang es dauert und wie trist und stickig es ist auf dem Weg bis zum Sieg in drei Runden, bannt Aladag in bewegende, atmosphärische, ungeschönte Szenen. (In München: Arena, Rottmann)

Ulrike Gasteiger

"Elefantenherz"

mit Manfred Zapatka, Daniel Brühl

Regie: Züli Aladag

Sehenswert

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