"7 Tage im September": Doku von Schliersee-Regisseur

In seinem Dokumentarfilm „Sieben Tage im September“ analysiert der vom Schliersee stammende Regisseur Karsten Scheuren die Jagd nach Gipfelrekorden.

Extrembergsteigen ist eine riskante Berufung. Doch angesichts der vielen Rekorde und regelrecht Schlange stehenden Gipfelstürmer vergisst man schnell, wie lebensgefährlich dieser Sport nach wie vor ist. Im September 2012 kamen bei einem Lawinenunglück am Manaslu, einem Achttausender im Himalaya, mehr als elf Menschen ums Leben. Nur wenige Tage danach stellte der Münchner Extrem-Skibergsteiger Benedikt Böhm dort einen neuen Weltrekord auf.

Der vom Schliersee stammende Regisseur Karsten Scheuren hat zu diesen unmittelbar zusammenhängenden Ereignissen einen spannenden Dokumentarfilm gedreht. In „Sieben Tage im September“ verfolgt er das Speed-Bergsteigerduo Benedikt Böhm und Sebastian Haag von ihrer ersten Vorbereitung auf die Tour zum Manaslu bis zum Gipfelsturm, den aber nur Böhm erfolgreich bewältigen wird. Die Gründe für den Weltrekord des einen und das Zurückbleiben des Freundes knapp unterhalb des Gipfels erklären sich durch die schrecklichen Ereignisse kurz zuvor.

Scheuren verfolgt die Skibergsteiger und ihre Begleiter bei der Ankunft im Basislager, wo sie sich an die Witterungsbedingungen gewöhnen. Das zermürbende Warten auf den geeigneten Tag und das stundenlange Beobachten des Wetters, die immer wieder unternommenen Aufstiege von einem Lager ins nächste – all das zeichnet der Film sehr genau nach. In der Nacht vor dem Aufstieg hören die Freunde das Grollen einer Lawine in der Nähe, danach Hilferufe. Schneemassen haben große Teile des Lagers begraben. In der Dunkelheit versuchen Böhm und Haag, der ein gutes Jahr später selbst bei einem Lawinenunglück ums Leben kommen wird, den Verschütteten zu Hilfe zu kommen. Bis zum nächsten Mittag dauern die Suchaktionen. Elf Bergsteiger sind tot, viele schwer verletzt.

Die Kamera von Greg Hill und Ralf Richter, die zuvor dicht an den Personen dran blieb und sich der Stimmung anpasste, mal ruhig und mal hektisch, weitet jetzt den Blick. Was bis dahin eine Dokumentation über die junge Bergsteiger-Generation der Nach-Messner-Zeit war, wird nun zu einer Analyse des modernen Bergsteigens mit seiner Sucht nach Geschwindigkeit, Gipfeln, Geldgebern. Was treibt Menschen an, ständig ihr Leben zu riskieren? Scheuren spürt dem nach, was Extremsport bedeutet. Nicht nur für jene, die ihn ausüben, sondern auch für jene, die zu Hause warten wie Carine, die Witwe des berühmten französischen Bergsteigers Rémy Lécluse

Ulrike Frick

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