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Tempel für Cineasten

- "Forschung und Gedächtnis" brauche das Kino auch dort noch, wo es vor allem Industrie ist, sagte der Büchner-Preisträger und Filmregisseur Alexander Kluge erst neulich. Damit definierte er genau die Aufgaben, die ein Filmmuseum übernehmen könnte, zumindest in einer Welt, die nicht von ökonomischen Sparzwängen und kulturpolitischem Desinteresse bestimmt ist.

<P>Lange Zeit war das Münchner Filmmuseum, das heute Abend seinen 40. Geburtstag feiert, in geradezu idealtypischem Sinn ein solcher Ort: eine Kinemathek, die zu den großen der Welt gehörte, wo Filme archiviert wurden, wo man das Filmerbe - besonders das einst verfemte Kino der Emigranten - liebevoll restaurierte und in neuen Kopien zur Verfügung stellte. </P><P>Wo man auch in regelmäßigen Vorführungen dem Publikum filmhistorischen Nachhilfeunterricht gab und damit Aufgaben übernahm, für die sich andere Bildungsanstalten unzuständig fühlten. Und wo in Retrospektiven Schwerpunkte gesetzt und neues Kinowissen erschlossen wurde. </P><P>Das Filmmuseum war ein Tempel für Münchner Cineasten. Aber nicht nur für sie allein: Stefan Drößler seit fünf Jahren der vierte Leiter des Traditionshauses, hat Recht, wenn er darauf hinweist, seine Institution sei in Deutschland "die erste kommunale Kinostätte überhaupt" gewesen. </P><P>Angefangen hatte alles Ende 1963. Da gründete Joseph S. Rudolph das Museum, holte Prominenz wie Sternberg und Fellini nach München. 1973 übernahm der Filmhistoriker Enno Patalas die Leitung und baute bis 1994 das Filmmuseum zu einer international vorbildlichen und anerkannten Institution aus. Ob Kaurismäki oder Eastwood - Weltstars schätzten das Filmmuseum, und sie schätzten es durch Enno Patalas. </P><P>Berühmt wurde dieser durch Sammlungspolitik und Restaurierungen: Die Münchner Fassungen von "Metropolis" oder "Nosferatur" sind Meilensteine der Rekonstruktion. Aber Patalas wurde zermürbt in den Kämpfen mit der Stadt, seinem Nachfolger Jan Horak (1994-1998) ging es nicht anders - seit 20 Jahren reicht der Etat nur zum notdürftigen Erhalt des Bestehenden. </P><P>Es herrscht Krisenökonomie: Der heutige Etat für Ankäufe ist gegenüber 1980 mehr als halbiert, die Preise dagegen explodierten seitdem. Statt einst 800 Veranstaltungen gibt es jetzt nur noch 700, montags ist das Museum ganz geschlossen, ebenso im August. Und auch die von Drößler neu eingeführten Spätvorstellungen existieren nicht mehr. </P><P>München, das gerne mit dem selbstgewählten Titel "Filmstadt" hausieren geht, hat kein Herz für das Filmmuseum. Dass sich das ändert, muss man zum Geburtstag wünschen: 40 ist ein schwieriges Alter, doch die Midlife-Crisis könnte auch eine neue Blüte bringen. Der kommunale Kulturetat sollte zugunsten des Filmmuseums umgeschichtet werden. </P><P>Und dringend sollte das Filmmuseum aus dem trägen Apparat des Stadtmuseums herausgelöst werden. Das hätte zwei Vorteile: Die Verantwortung wäre klar und ungeteilt, Ausreden fielen weg. Und man könnte Sponsoren gezielter ansprechen. Auch sollte die unselige Praxis ein Ende haben, nach der das Filmmuseum seine Einnahmen abgeben muss, sich Sparsamkeit und Gewinne also gar nicht lohnen. </P><P>Kaum einer weiß, dass Drößler und sein Team viel besser wirtschaften könnten, wenn sie Verfügung über das von ihnen Verdiente hätten. </P>

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