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Der Beender ist wieder da: Arnold Schwarzenegger in seiner Paraderolle. „Die Dreharbeiten“, sagt er, „waren eine Schinderei.“

Interview zum "Terminator"-Kinostart

Schwarzenegger: „Ich bin kein normaler 67-Jähriger“

München - Rückkehr der Dampframme: Arnold Schwarzenegger gibt wieder den unerbittlichen „Terminator“. Am Donnerstag ist Kinostart. Ein Interview.

„I’ll be back“, hat er vor drei Jahrzehnten im ersten „Terminator“-Film angekündigt. Nun kehrt Arnold Schwarzenegger tatsächlich als unerbittlicher Cyborg auf die Leinwand zurück – ab morgen ist er in „Terminator: Genisys“ im Kino zu sehen. Gut gelaunt erscheint der 67-jährige Hollywood-Haudegen, siebenfacher „Mister Olympia“ und Ex-Gouverneur von Kalifornien zu unserem Interview im Berliner Hotel Adlon. Unter einem dunkelgrauen Jackett trägt er ein hellblaues offenes Hemd. Ansonsten: goldene Gürtelschnalle, fette Edelstahluhr, manikürte Hände, perfekt sitzende Frisur. Der gebürtige Österreicher besteht darauf, das Gespräch auf Englisch zu führen. Und so spricht er mit herrlichem steirischem Akzent über „Äktschn“, „Bollidicks“ und „Däcknollodschi“.

Haben Sie in Ihrer Zeit als Gouverneur die Schauspielerei vermisst?

Als Politiker stand ich ja auch fast täglich vor der Kamera, wurde ständig gefilmt und interviewt. Der Wahnsinn ging also nahtlos weiter. Darum habe ich es auch gar nicht vermisst, in fremde Rollen zu schlüpfen. Mein Job hat mich rund um die Uhr auf Trab gehalten. Leider habe ich in meinen sieben Jahren als Gouverneur eine Menge Geld verloren, weil ich in dieser Zeit keine Filme drehen konnte. Aber ich möchte keinen Tag missen – das war die aufregendste Phase meines Lebens. Denn als Politiker hatte ich die Macht, wirklich etwas bewegen zu können.

Können Sie sich vorstellen, in die Politik zurückzukehren?

Nein. Denn der einzige Posten, der mich noch interessieren würde, bleibt mir leider verwehrt: Wer US-Präsident werden will, muss in den USA geboren worden sein. Schade! Wenn ich die Wahlkampf-Debatten höre, denke ich oft: Verdammt, das könnte ich besser machen.

War Ihr Comeback als Terminator nun für Sie wie ein Sonntagsspaziergang?

Fast. Mir kam es so vor, als wäre ich nur ein Jahr fort gewesen. Ich musste ja nicht wieder bei null anfangen – schließlich halte ich mich seit Jahrzehnten fit, stemme täglich Gewichte und mache Kardio-Muskel-Training. Ich bin kein normaler 67-Jähriger, der bloß noch auf der Bank vor seinem Häuschen hockt. Ich habe vor, auch noch mit 80 in Kitzbühel Ski zu fahren! Ich muss nur ein bisschen wegen der Verletzungen aufpassen – die steckt man in meinem Alter nicht mehr so leicht weg.

Machen Sie auch Ihre Stunts noch selbst?

Nur, solange nicht die Gefahr besteht, dass ich dabei draufgehe. Dafür gibt es schließlich gute Stuntleute. Wenn zum Beispiel eine Kampfszene unter Wasser ansteht, sage ich: „Nehmt doch jemanden, der richtig gut schwimmen kann!“

Welche Actionszene hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Spaß machen solche Szenen nur auf der Leinwand. Die Dreharbeiten sind eine echte Schinderei: Man hängt an irgendwelchen Drähten, wird hin und her geschleudert, muss ständig irgendwo herunterstürzen oder knallt gegen irgendwas. Nervig! Spaß hatte ich am Set von Filmen wie „Kindergarten Cop“ oder „Twins – Zwillinge“. Deshalb freue ich mich schon auf die Fortsetzung „Drillinge“. Ich stehe nicht bloß auf Action – ich mag jede Form von Unterhaltung, die sich weltweit gut verkaufen lässt.

Sie sind mit James Cameron befreundet, dem Regisseur der ersten beiden „Terminator“-Filme. Haben Sie mit ihm auch über den neuen Film gesprochen?

Ja. Wir arbeiten bei diversen Umweltschutz-Projekten zusammen und treffen uns oft bei gemeinsamen Motorrad-Touren. Bei der Gelegenheit sprechen wir auch über unsere Filmprojekte. Ich war verblüfft, als er mich eines Tages anrief und meinte, er hätte gerade „Terminator: Genisys“ gesehen und wolle mir zu meiner Leistung gratulieren. Ich sagte: „Moment mal, wieso kennst du denn den Film schon und ich noch nicht?“ Und er meinte nur: „Ich habe da so meine Wege…“

Androiden wie den Terminator gibt es im wirklichen Leben noch nicht. Glauben Sie, dass intelligente Maschinen in Zukunft unsere Welt dominieren werden?

Das tun sie doch jetzt schon, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie im Film! Aber ich will die moderne Technologie gar nicht verteufeln – sie sorgt immerhin dafür, dass wir viel schneller und effizienter miteinander kommunizieren können als früher. Wir sollten nur aufpassen, dass diese Möglichkeiten nicht missbraucht werden. In den „Terminator“-Filmen sieht man deutlich, was passiert, wenn Maschinen sich ihrer selbst bewusst werden und aus dem Ruder laufen.

Wenn Sie wie in „Terminator: Genisys“ in die Vergangenheit reisen könnten – was würden Sie in Ihrem Leben ändern?

Nichts. Lieber würde ich in der Geschichte noch weiter zurückreisen, um mir live anzuschauen, wie die Pyramiden erbaut wurden. Natürlich habe ich in meinem Leben Fehler gemacht, sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht. Aber ich bin heute sehr glücklich und möchte mit niemandem tauschen. Ich bin die Verkörperung des amerikanischen Traums.

War das Ihr Ziel?

Nein. Ich hatte zwei Ziele: Ich wollte ein Bodybuilding-Champion werden, und ich wollte zum Film. Wenn ich eine Karriere in der klassischen Musik angestrebt hätte, wäre ich besser in Österreich geblieben. Aber zur Verwirklichung meiner Träume war Los Angeles perfekt: Das ist das Mekka der Fitness- und der Filmindustrie. Und mit viel Blut, Schweiß und Tränen habe ich es dort geschafft.

Sind die USA heute, mit der sich rasch ausbreitenden Armut, für Sie noch immer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Zweifellos. Wer hart arbeitet, kann es dort nach wie vor zu etwas bringen. Vor allem gibt es dort kaum Neid auf den Erfolg des anderen. Wenn du in den USA jemandem erzählst, dass du gerade deine erste Million gemacht hast, dann geht er nicht los und zerkratzt dein Auto. Ich war mit 25 schon Millionär, weil das Haus, das ich für 200 000 Dollar gekauft hatte, plötzlich 1,4 Millionen Dollar wert war. Als ich das in meinem Fitness-Studio erzählte, wurde ich mit Champagner gefeiert.

Träumen Sie inzwischen auch auf Englisch?

Ja, meistens. Aber ich rechne immer noch auf Deutsch. Das liegt wohl daran, dass meine Eltern mir das Kopfrechnen regelrecht eingehämmert haben – was mir in meiner Zeit als Gouverneur zugutekam: Bei den Budgetplanungen konnten mir meine Mitarbeiter mit ihren Taschenrechnern nichts vormachen. Ich habe jeden Fehler sofort entdeckt!

Interview: Marco Schmidt

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