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Er tötet professionell, kompromisslos – aber nie ohne Grund: Jack (George Clooney) zieht sich in ein Bergdorf für den allerletzten Job zurück.

„The American“: Maßschneider des Todes

Kein Action-Film, sondern das schweigsame Drama eines zerrissenen Mannes: Die Filmkritik und der Kinotrailer zu „The American“ mit George Clooney sehen Sie hier.

Er ist ein Kunsthandwerker des Todes, ein Stradivari des Waffenbaus: Mit Erfahrung und Sorgfalt wählt Jack (George Clooney) die Rohmaterialien, mit Geduld und Geschick feilt, dreht, schraubt er, bis jedes Detail auf den Mikrometer stimmt und perfekt balanciert ist. Ein Mordinstrumente-Maßschneider für Auftragsmorde, mit idealer Feuerkraft, Zielpräzision, Schalldämpfung für jeden Anschlag.

Wenn Jack selbst tötet, tut er es – wie im schockierenden Anfang des Films – ebenso professionell und kompromisslos. Aber nie ohne Grund. Jacks Leben unter geheimer Identität duldet keine Heimat und keine Nähe, er darf keine Wurzeln schlagen, weder geografisch noch emotional. Und nicht das geringste Rätsel an ihm ist, ob er dies an seiner Berufung am meisten hasst oder schätzt.

Aber Jack wird älter. Einmal mehr auf der Flucht, zieht er in ein italienisches Bergdorf für einen allerletzten Job. Es entspinnt sich das schweigsame, nur von kurzen Stakkati der Gewalt zerrissene Drama eines gefallenen Mannes, der unerwartet sein Eden findet: Der örtliche Pfarrer (Paolo Bonacelli) wird zum Widerpart für Gespräche über die großen Dinge und die Schuld – aber nie ganz zum Beichtvater. Wo die junge Prostituierte Clara (Violante Placido) nur für sauber geregelte Trieb-Transaktionen sorgen soll, sprießt plötzlich wahre Sehnsucht. Und es kann sein, dass der Auftrag der mysteriösen Mathilde (Thekla Reuten) Erlösung bringt. Oder Verdammnis.

„The American“ ist als Film selbst eine Feier des stillen Stolzes auf präzises Handwerk: jede Einstellung genau abgezirkelt, der Rhythmus großartig nüchtern und eigen. Selbst die Filmmusik Herbert Grönemeyers (ein langjähriger Freund des Regisseurs) glänzt durch Zurückhaltung und klugen Minimalismus.

Wo Starfotograf Anton Corbijn in seinem Kinodebüt „Control“ die Bilder in Schwarz-Weiß brillieren und heiße Verzweiflung atmen ließ, haben sie hier ein subtileres Glänzen. Sie sind vollgesogen mit der spätsommerlichen Atmosphäre der Orte. Bilder, in denen das Licht die Oberflächen liebkost, sinnlich auf eine sehr real-taktile Weise, wie in der ausnahmsweise wirklich erotischen Liebesszene.

„The American“ ist kein Action-Film. Er ergötzt sich nicht am Spektakel, sondern beschaut Taten als Ausdruck von Gedanken. Er zitiert die Struktur von Italowestern (und Sergio Leone ganz explizit), ist aber noch näher an den metaphysischen Thrillern von Jean-Pierre Melville. Die etwas plauderhafte Romanvorlage von Martin Booth destilliert er auf ihre Essenz; die offensichtlichste Änderung findet sich gleich im Titel: Aus „A Very Private Gentleman“ wurde „The American“. Die große Ironie ist, dass sich der als so durch und durch europäischer Film entpuppt.

Thomas Willmann

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