"The House Is Burning": Jugend in der Vorstadt

- Nominell ist dieser Film, der erste Langfilm von Regisseur Holger Ernst, eine deutsche Produktion. Doch wurde in den USA gedreht, mit dortigen Darstellern. Es geht um das Leben weißer Vorstadtkids. Es ist das Porträt einer schlimmen Jugend. Einer muss in den Irak zum Kämpfen, die Freundin betrügt ihn mit einem anderen, einer ist Dealer, und einer steht kurz vor dem Amoklauf.

Ein Kaleidoskop jugendlichen Lebens zwischen Gewalt, Drogen und Sehnsucht, ein Gemisch aus Klischees und Realismus. Das ist professionell inszeniert. In die Tradition von Larry Clarks "Kids" und "Ken Park" gehört der Film allerdings keineswegs ­ wie auch immer das Marketing versucht, diesen Bezug herzustellen. Denn Clark sucht und fragt, dieser Film aber weiß alles von Anfang an. Genauer gesagt: Er glaubt alles zu wissen, und weil er damit auch nicht hinterm Berg hält, sondern fortwährend kommentiert, hat diese Arbeit mitunter die Aufdringlichkeit einer Sozialreportage.

Man schaut dann hin und muss alles schrecklich und schockierend finden ­ so ist die eigene Neugier schnell erstickt. Drastisch und rau ist die Darstellung allerdings schon, und in dieser Authentizität reizvoll. Nur traut Ernst seinen Bildern nicht, nicht der Ruhe, die Platz zum Nachdenken ließe ­ also misstraut er eigentlich seinem Publikum. Schade.

"The House Is Burning"

mit Robin Taylor, Steve Garson

Regie: Holger Ernst

Annehmbar

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