Zombies aus West-Berlin

Unsere Kinokritik zu "Tod den Hippies!"

Oskar Roehler vermengt in „Tod den Hippies! Es lebe der Punk“ Wahrheit und Fiktion. Die Filmkritik und den Kinotrailer gibt es hier.

Seit Jahren quält sich Oskar Roehler mit seiner Kindheit herum, und nüchtern betrachtet hat der Mann auch allen Grund dazu. Von der Autorinnen-Mutter und dem Vater, der angeblich Kassenwart der RAF war, komplett missachtet, wurde der heute 56-jährige Schriftsteller und Filmemacher trotzdem irgendwie groß. Aber anscheinend nicht glücklich. Zumindest lassen seine autobiografisch gefärbten Romane „Herkunft“ und „Mein Leben als Affenarsch“ dies vermuten. Auf Letzterem basiert sein Film „Tod den Hippies! Es lebe der Punk“. Eine weitere Produktion des umtriebigen und immens kreativen Roehler, in der er seine grauenhafte Jugend aufarbeitet. Das ist einerseits ein ehrenwerter Ansatz, den man respektieren muss – andererseits aber konsequenterweise ein weiterer sehr anstrengender, fordernder Film, der mehr der Sühne dient als der Unterhaltung.

Roehlers Alter Ego Robert erlebt in der Kinoadaption die heißen Jahre West-Berlins. Den unbedarften, aber rebellischen Bubi aus dem Provinzinternat verschlägt es Anfang der Achtzigerjahre in den Westen der geteilten Stadt, in das heute längst verschwundene Biotop der Künstler, Intellektuellen und Wahnsinnigen. In der Peepshow, in der er in den Strippausen die Kabinen reinigt, lernt er Blixa Bargeld und Nick Cave kennen, und nach der Schicht hängt Robert (der von dem deutlich zu alten Tom Schilling seltsam lustlos verkörpert wird) im legendären „Risiko“ an der Yorckstraße herum.

Roehler vermengt Wahrheit, Übertreibung und Fiktion zur schrillen Groteske, in der alles und alle hässlich, grell, verpickelt sind. Doch die Szenen sind zu statisch, die Dialoge zu steif und hölzern. Lange genug interessieren einen diese Zombies aus West-Berlin dann leider doch nicht.

von Ulrike Frick

„Tod den Hippies! Es lebe der Punk“

mit Tom Schilling, Emilia Schüle, Wilson Gonzalez Ochsenknecht

Regie: Oskar Roehler

Laufzeit: 104 Minuten

Rubriklistenbild: © dpa

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