Rapper-Legende:

Tod in Los Angeles

Christopher Wallace, der sich Notorious B.I.G. nannte, war einer der Superstars der Rap-Szene. Mit nur 24 Jahren wurde er vor zwölf Jahren ermordet. Seine Lebensgeschichte hat Hollywood nun verfilmt, der Film startet am 26. März.

In den USA kennt die Geschichte jedes Kind: Wie aus dem Nichts rappt sich der übergewichtige Notorious B.I.G. mit seinem Debüt-Album im Jahre 1994 an die Spitze. Doch noch bevor die zweite Platte erscheint, wird er in Los Angeles erschossen. Er ist ein „Gangsta“-Rapper, also einer von der Straße, der über das Leben und Überleben auf der Straße erzählt.

Notorious B.I.G. war wirklich ein schwerer Junge, bevor er Musiker wurde. Er handelte mit Drogen, saß im Gefängnis und war nicht unbedingt die Sorte Mensch, der man nachts alleine begegnen wollte. Sean Combs, der sich später Puffy, dann Puff Daddy, dann wieder P Daddy und weiß Gott noch wie nannte, war damals Chef einer Plattenfirma und erkannte das Potenzial: Christopher Wallace war glaubwürdig.

„Gangsta-Rap“ war gerade in, und ironischerweise wurde er auch begeistert von weißen Mittelstands-Kindern in den idyllischen Vororten gehört, die einem Typen wie Wallace nicht einmal die Tür geöffnet hätten. Aber seine Platte kauften sie wie verrückt. Auch die Kritiker zollten Respekt. Dass Wallace dann auch noch jung und tragisch starb, war aus Sicht der Unterhaltungsindustrie ein „Glücksfall“.

Natürlich bot sich ein Film an, in dem das kurze Leben des Stars bewegend nachgezeichnet wird. Und ein bisschen verklärt. Tatsächlich geht der Film, der am 26. März in die Kinos kommt, überraschend unsentimental mit seinem Protagonisten um. Und das, obwohl die Mutter von Wallace als Produzentin fungiert hat. „Der Film sollte meinen Sohn zeigen, wie er war. Er hatte gute Seiten, und er hat Dinge getan, die mir nicht gefallen haben“, sagt Voletta Wallace und schiebt noch hinterher: „Vieles habe ich erst nach seinem Tod erfahren und konnte es kaum glauben.“

Von einer Frau, die ihren einzigen Sohn alleine groß gezogen und so früh verloren hat, könnte man Wut, Verzweiflung oder Verbitterung erwarten. Aber im Gespräch beeindruckt Wallace mit sanfter Freundlichkeit. Man ahnt allerdings, dass sie eine energische Frau ist. Gefragt, wie die Zusammenarbeit mit Ko-Produzent Sean Combs funktioniert habe, stellt sie klar: „Das war mein Film. Combs mussten wir nur wegen der Musikrechte einbinden.“ Und wenn man sich erkundigt, was sie von Combs hält, gibt Voletta Wallace keine diplomatische Antwort, wie man sie bei Werbeinterviews dieser Art kennt. „Ich halte nicht viel von ihm.“ Sie sagt es immer noch sanft und freundlich, aber bestimmt.

Warum sie Combs nicht mag, wird offenkundig, als man wissen möchte, was ihr Sohn heute wohl tun würde, wäre er noch am Leben. „Er wäre Geschäftsmann. Er würde Platten produzieren, Mode entwerfen, Restaurants betreiben. So wie es Combs dann getan hat.“ Sie wirft Combs vor, den Tod des Sohnes für seine Karriere ausgeschlachtet zu haben. Und tatsächlich gelang Combs mit dem musikalischen Nachruf „Missing You“ (ein Cover des Police-Klassikers „Every Breath You Take“) sein erster Hit.

Weil sie Combs nicht mehr überlassen möchte, das Vermächtnis ihres Sohnes für sich zu nutzen, produziert Voletta Wallace schon wieder einen Film über Notorious B.I.G. Diesmal eine Dokumentation, die mit dem Mythos aufräumen soll, ihr Sohn sei Opfer der Rivalität zwischen Gangsta-Rappern von West- und Ostküste geworden. Die Legende, der New Yorker Notorious B.I.G. sei das Opfer einer Racheaktion für den Mord am kalifornischen Konkurrenten Tupac Shakur kurz zuvor, hält sie für Unfug.

„Es ging um Geld, Macht und Politik. Mein Film wird die wahren Hintergründe und Verantwortlichen zeigen. Sie werden alle überrascht sein.“ Und wieder strahlt sie dazu gütig, was für die Hintermänner des bis heute ungeklärten Mordes wohl kein gutes Zeichen ist. Übrigens: Rap-Musik mag Voletta Wallace gar nicht. Auch nicht die ihres Sohnes. „Ich erkenne, dass er talentiert war, aber ich bevorzuge Jazz.“

Zoran Gojic

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Den von J. K. Rowling erfundenen Zauberlehrling Harry Potter aus Hogwarts kennt jeder. Doch die Produzenten eines anderen Films werfen der Schriftstellerin vor, die Idee …
Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore
Trauer um Roger Moore: Der James-Bond-Darsteller ist mit 89 Jahren an Krebs gestorben. Hier lesen sie einen Nachruf auf Roger Moore. 
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore
„Pirates of the Caribbean 5“: Routine statt Spannung
Johnny Depp torkelt über die Schiffsplanken, Javier Bardem zeigt Vampirzähnchen - und ein junges Liebespaar gibt es auch. Disneys unverwüstliche Piratensaga geht mit …
„Pirates of the Caribbean 5“: Routine statt Spannung

Kommentare