Zu Tode gefeilt

- Als Herzensangelegenheit bezeichnet Til Schweiger seinen Film "Barfuss" gern. Darin steckt also jede Menge Angstschweiß und Herzblut des nicht mehr ganz jungen Berufsjugendlichen. Man sollte das berücksichtigen. Hier hat jemand nicht einfach nur einen Film gedreht. Hier hat sich einer selbst verwirklicht. Was herausgekommen ist, gemahnt daher im besten wie im schlimmsten Sinne an alles, was man mit Selbstverwirklichung und unerreichten Träumen in Verbindung bringen kann.

<P>Etwa zehn Jahre sind seit "Knockin' On Heaven's Door" vergangen. Schweiger hat Hollywood den Rücken gekehrt und ist zurückgezogen in deutsche Lande. Das sieht man "Barfuss" an. Die versöhnliche Leichtigkeit, die "Knockin' On Heaven's Door" trotz des erdenschweren Themas besaß, ist einer irdenen Bedeutungsschwere gewichen, die aber immer nur behauptet ist und nie wirklich spür- oder greifbar wird.<BR><BR>Hier sieht man zu vielen Szenen an, wie lange an dem vermeintlichen Gag, einer Einstellung oder den Dialogen gefeilt wurde. Da ist nichts mehr locker hingeworfen, sondern abgezirkelt, kalkuliert und dadurch tot. Wenn der arbeitslose Nick Keller (Schweiger), den seine reiche Familie für einen Versager hält, auf dem Weg zum Jubiläum des Stiefvaters auf die geistig gestörte Leila (Johanna Wokalek) trifft, dann ist das so glaubwürdig und ihre resultierende Liebesgeschichte so romantisch wie die letzten Ehejahre von Prince Charles und Lady Di. Nichts stimmt. Weder Timing, noch Ausstattung oder Witz. "Barfuss" unternimmt das Wagnis, eine Romanze ohne emotionales Zentrum zu erzählen. Vielleicht hätte sich Schweiger mit dem Produzieren und Schauspielen bescheiden sollen. <BR><BR>(In München: Rio, Marmorhaus, Autokino, Mathäser, Maxx.)<BR><BR>"Barfuss"<BR>mit Til Schweiger (auch Regie),<BR>Johanna Wokalek<BR>Erträglich </P><P> </P>

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