Todes-Pointen

- Tatsächlich krank sein sieht ganz anders aus als im Kino. Keine bildschöne Krankenschwester sitzt mit tränenumflortem Blick nachts am Bett, kein genialer Mediziner rettet in letzter Minute dein Leben. Wirtschaftsstudent Martin (Wotan Wilke Möhring) wird wegen ein paar Ohnmachtsanfällen ins Krankenhaus eingeliefert und muss feststellen, dass er diese Räumlichkeiten wohl nicht so bald wieder verlassen wird. Vor allem aber erkennt er schnell, dass ein gewöhnlicher Hospital-Betrieb nichts mit den gängigen Arztserien gemein hat.

<P>"Tumor ist, wenn man trotzdem lacht", verkündet Martin seinem Bruder Roman (Alexander Beyer), während beide Martins gerade diagnostizierten Hodenkrebs mit einem Joint und blöden Sprüchen zu bekämpfen suchen. Doch derlei Kalauer sind nicht der Stil des Regisseurs Robert Schwendtke ("Tattoo"). "Eierdiebe" ist ein kleiner Film, der, ohne Aufsehen erregen zu wollen, alles richtig macht: Die Hauptrollen sind mit den unprätentiösen Darstellern Wotan Wilke Möhring, Julia Hummer, Alexander Beyer und Janek Rieke passend besetzt. </P><P>Besonders die Episoden im Krankenhaus zeigen eindringlich, wie schnell man als Patient im Getriebe der Medizinmühle nicht nur die Hoffnung, sondern auch die Menschenwürde verliert. Die Ärzte sind pragmatisch, niemals mitfühlend, die Schwestern verteilen gleichgültig Spucknäpfe. Das vor schwarzem Humor nur so strotzende Drehbuch hält sehr schön die Balance zwischen Komik und Tragik, denn trotz der pfiffigen Pointen lässt sich das allgegenwärtige Sterben auf einer Onkologie-Station nicht verbergen. Und Frischling Florian Ballhaus findet mit seiner Kamera mitunter bereits ebenso stimmige Bilder wie sein Vater Michael. (In München: Karlstor.)</P><P>"Eierdiebe"<BR>mit Wotan Wilke Möhring, Julia Hammer, Alexander Beyer<BR>Regie: Robert Schwendtke<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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