Todtraurige Komödie

- Es beginnt trostlos, wird dann zunehmend depressiv und ist gegen Ende hin eine einzige Tragödie, auch wenn der Held das gar nicht so recht mitbekommt. Dennoch fühlt man sich nach "The Weather Man" von Regie-Wunderkind Gore Verbinski merkwürdig erleichtert. Eine klassische Katharsis also, die diese Geschichte über den tragikomischen TV-Wetteransager David Spritz (Nicolas Cage) auslöst.

Jeder in Chicago kennt ihn, keiner mag ihn, er sich selbst am wenigsten. Er kann nicht erklären, weshalb, aber er fühlt sich nicht, lebt neben sich her. Seine Ehe ist gescheitert, zu seinen Kindern findet er trotz aller Bemühungen keinen Draht, und sein Beruf langweilt ihn. Vor allem entkommt er nicht dem Schatten seines übermächtigen Vaters (Michael Caine spielt mittlerweile in einer eigenen Liga). Der ist ein renommierter Schriftsteller und gelassener Gentleman, der die verzweifelten Bemühungen des Sohnes um väterliche Anerkennung nicht wahrnimmt. Während David ständig von Karriere und Erfolg redet, sieht der Vater immer nur den ängstlichen Jungen, der nicht mit sich im Reinen ist. Sie reden aneinander vorbei.

Als es längst zu spät ist, wird David merken, dass sein Vater ihn als einziger wirklich gekannt hat. Der Fernseh-Ruhm, das leicht verdiente Geld, all das dient dazu, möglichst unangestrengt Respekt zu erheischen. Aber "einfach" gibt es in der Welt der Erwachsenen nicht, erklärt Michael Caine, und in seinen Augen ist für einen kurzen Augenblick abgrundtiefe Resignation zu sehen. David versteht erst im Nachhinein und beginnt, sich mit seinen Defiziten abzufinden. Als er loslässt, sein Unvermögen zu echter Kommunikation, die eigene Oberflächlichkeit akzeptiert, findet er eine Art Frieden. Ihm wird bewusst, dass er durch seine innere Leere für das Medium Fernsehen wie geschaffen ist. Also macht er weiter, etwas anderes kann er nicht.

Nicolas Cage, der sein Talent oft genug durch überzogenes Chargieren sabotiert, agiert hier sehenswert zurückhaltend. Wie er mit völlig ausdruckslosem Gesicht vor der Kamera auf seinen Einsatz wartet und dann auf Sendung sofort ein festgefrorenes Lächeln aufsetzt, ist grandios gespielt. Eine todtraurige Komödie, die eine neue Dimension der Schwermut auf die Leinwand bringt.

(In München: Mathäser, Marmorhaus, Cadillac, Museum i. O.)

"The Weather Man"

mit Nicholas Cage, Michael Caine

Regie: Gore Verbinski

Hervorragend

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