Tödliche Liebe

- Saigon 1952: Den französischen Kolonialherren hat die letzte Stunde geschlagen, sie werden zerrieben im Kampf mit dem kommunistischen Vietkong und heimlich von den USA unterstützten faschistischen Militärs. In dieser Welt begegnen sich drei Menschen aus drei Kontinenten, verstricken sich in einem moralisch-emotionalen Netz, aus dem es kein Entrinnen gibt. Eine tödliche Liebe in Zeiten des Kolonialismus.

<P>Keine Seele bleibt rein in Philip Noyces "Der stille Amerikaner". Etwa die junge Vietnamesin Phuong (Do Hai Yen) symbolisiert nur auf den ersten Blick ein ätherisch über allen Abgründen schwebendes Wesen. Im Laufe der Geschichte offenbaren sich hinter ihrer Unberührtheit auch berechnender Pragmatismus, moralische Korruption und das Wissen darum; was bei Graham Greene, von dem die Romanvorlage stammt, immer schon Schuld bedeutet. Wie das Land, aus dem sie stammt, wird auch Phuong zum Objekt unterschiedlicher Begierden. Thomas Fowler ist Journalist. </P><P>Er repräsentiert das alte Europa: ein Engländer, illusionslos, skrupulös, zynisch und ein wenig müde. Grandios spielt der 70-jährige Michael Caine diesen etwa 50-Jährigen, der mit Phuong eine junge Geliebte hat und sich im ersten Indochinakrieg nur zögerlich zur Aktivität zwingen lässt. Aus dieser Vita contemplativa reißt ihn erst die Angst, Phuong zu verlieren. Das liegt an Alden Pyle (Brendan Fraser), einem jungen Amerikaner. Schon zu Beginn erfahren wir von seiner Ermordung. <BR><BR>So ist "Der stille Amerikaner" nicht nur die sensible Betrachtung eines Journalistendaseins unter extremen Verhältnissen, sondern auch ein im Rückblick erzählter Thriller, die Chronik eines angekündigten Todes. Pyle, das stellt sich heraus, ist Agent in Diensten des CIA. Keine zweite Szene des Films geht dem Betrachter so nahe wie der Augenblick des Bombenattentats, das dieser gutgläubig-naive politische Triebtäter verantwortet. </P><P>Hier kommt die poetische Kamera Christopher Doyles, auch der Chinesen Wong Kar-wei und Zhang Yimou ganz zu sich selbst: In jedem Augenblick erzählt sie mehr als tausend Worte. Sanft akzentuiert, schicksalssatt hinterlässt der Film so auch beim Betrachter ein Gefühl von Trauer. Und die Gewißheit: Unterschätze nie einen Patrioten. Denn Graham Greene, bekanntermaßen kein Freund der US-Politik seit 1945, hat mit seinem berühmten Roman auch einen Essay über die Fehlschläge des moralischen Imperialismus geschrieben.'<BR><BR> Philip Noyce kondensiert Greenes berühmten Roman ganz auf seinen Kern. "Der stille Amerikaner" ist einer der besten Filme des Jahres. Mit kühler Härte und klarem, nur menschliche Schwächen, aber keine politischen Verbrechen verzeihenden Blick handelt er von einer vierfachen Verstrickung und Tragödie: der dreier Menschen und der einer Nation. Der Trost, den Greene und Noyce für uns übrig haben, ist ganz simpel: kein Mitleid, kein Bedauern, sondern Liebe. <BR><BR></P><P>- läuft hier im Kino</P><P>"Der stille Amerikaner"<BR>mit Michael Caine, Brendan Fraser, Do Hai Yen<BR>Regie: Phillip Noyce<BR>Hervorragend </P>

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