Ein tödliches Konzept

- Schadenfreude ist die wohl ursprünglichste Form des Humors. Viele Komödien haben davon profitiert, dass Menschen gerne lachen, wenn anderen etwas Schlimmes widerfährt. Aber nicht selten geraten solche Filme auch zu albernen Klamotten. "Neid" von Regie-Veteran Barry Levinson ("Rain Man") lebt auch von der Schadenfreude und bewegt sich irgendwo zwischen meisterlich und belanglos.

<P>Die Geschichte ist einfach: Nick (Jack Black) und Tim (Ben Stiller) sind beste Freunde, bis Nick ein Spray entwickelt, das Hundekot spurlos auflöst. Nick schlägt Tim vor, das Produkt gemeinsam zu vermarkten, aber der lehnt spöttisch ab. Kurz darauf ist Nick Millionär, und in Tim nagt der Neid. Natürlich lässt Levinson die Situation bald eskalieren und die beiden einen ebenso erbitterten wie lächerlichen Kleinkrieg führen. Das ist streckenweise wirklich komisch, artet aber mit zunehmender Dauer zur infantilen Sketchparade aus.<BR><BR>Den Schauspielern kann man das nicht vorwerfen. Der anarchische Witz von Jack Black und die präzise Zurückhaltung des oft unterschätzten Ben Stiller liefern an sich genügend Potenzial für Komik. Aber sie wirken ein wenig gehemmt, was am moralischen Unterton liegen könnte: Man soll niemandem etwas Übles wünschen, sich mit dem bescheiden, was man eben hat, und überhaupt ein guter Mensch sein.<BR><BR>Mit der galligen Ausgangssituation und den skurrilen Charakteren ist das nicht in Einklang zu bringen. Es ist, als habe der Film Angst vor der eigenen Courage und würde fortwährend darauf hinweisen, wie falsch das Verhalten der Beteiligten ist. Ein tödliches Konzept für eine Komödie, die auf Schadenfreude beruht. Lediglich Christopher Walken unterläuft in einem fulminanten Gastauftritt mit rücksichtsloser Verve den Ton des Films und zeigt, wie wunderbar gehässig und lustig er mit ein wenig Mut hätte werden können. </P><P>(In München: Marmorhaus, Mathäser, Autokino.)<BR><BR>"Neid"<BR>mit Jack Black, Ben Stiller<BR>Regie: Barry Levinson<BR>Annehmbar </P><P> </P><P> </P>

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