Tolle Oma aus Florida

- Zwei ungleiche Schwestern: Die eine, Rose, ist als Anwältin erfolgreich, aber hässlich, die zweite, Maggie ist ein Flittchen und alles andere als eine Leuchte, aber immerhin sieht sie aus, wie Cameron Diaz. Nur ihr Männerverhältnis ist ähnlich: Beide werden bestenfalls mal für ein rasches Vergnügen ausgenutzt, dann aber hat alles ein schnelles Ende, denn mit der einen kann man sich nicht unterhalten, die andere will man nicht anschauen.

So weit so platt steht es im Drehbuch der Autorin Susannah Grant, das der überaus konventionellen Komödie "In den Schuhen meiner Schwester" zugrunde liegt. Natürlich stellt sich bald heraus, dass die Dinge nicht ganz so einfach liegen: Weder ist Rose (Toni Collette) wirklich hässlich, noch ist Maggie (Cameron Diaz) so faul und dumm, wie der Filmanfang erst suggeriert.

Stattdessen bestimmt auch in diesem Hollywoodschinken das Sein wieder einmal das Bewusstsein, ist der Mensch gut marxistisch ein Produkt seiner Verhältnisse. Und sobald diese sich ändern, wird alles gut. Zum Deus ex machina, besser ex Florida, wird Oma Ella, die seit Jahren zwischen Pool und Psalmen lebt. Rose und Maggie erfahren nur durch Zufall von ihrer Existenz. Ein familiäres Trauma, man ahnt es schon, ist die Ursache. Der Selbstmord der Mutter, Schuldgefühle des Vaters und eine grotesk böse Schwiegermutter sind nötig, um das komplizierte Puzzle am Ende irgendwie glaubwürdig zusammenzusetzen.

So rumpelt die erste Komödie von Curtis Hanson - zuvor für weitaus Vielschichtigeres wie "L.A. Confidential" und "8 Mile" verantwortlich - eher schlecht als recht über gefühlte drei Stunden Spielzeit: Am Ende haben die beiden Frauen Selbstbewusstsein und sind aus Dick und Doof zu Dünn und Klug geworden - während wir Zuschauer uns auf dem gegenteiligen Weg befinden. Alles in allem wäre dieser Heuler nur schwer erträglich, wäre da nicht Shirley MacLaine als Großmutter.

Sie ist das Eintrittsgeld wert, so klug, so selbstironisch, so schnodderig-witzig ist sie noch mit einem Part, der sie, weiß Gott, nicht über Gebühr fordert. Am Ende fragt man sich, ob diese ganz Große in der jüngeren Darstellergeneration irgendeine adäquate Nachfolgerin findet? Toni Collette und Cameron Diaz sind es nicht.

"In den Schuhen meiner Schwester"

mit Toni Collette, Shirley MacLaine, Cameron Diaz

Regie: Curtis Hanson

Erträglich

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“

Kommentare