Totentanz in Australien

- Rosafarbene Blüten, deren schweren Duft man noch im Kino zu riechen glaubt: "Lantana", das ist der Name eines Busches, der in Australien an jeder Ecke blüht. Gestrüpp, in das die Kamera dringt, und Geräuschteppich schaffen eine unklar-düstere Stimmung, lassen Schlimmes ahnen: den toten Körper einer Frau. Aber das Bild wird sich im Laufe des Films als Täuschung erweisen _ wie überhaupt vieles trügerisch ist an "Lantana".

<P>Ray Lawrences Film spielt in Sidney. Eine Gruppe von Menschen, deren Schicksal miteinander verwoben ist: darunter die Psychoanalytikerin Valerie (Barbara Hershey), äußerlich selbstbewusst, innerlich gebrochen. Denn ihre Tochter wurde vor zwei Jahren ermordet. Valerie hat ein Buch geschrieben, in dem sie hilflos versucht, diesen Tod zu bewältigen. Den ganzen Tag über hört sie sich in ihrer Praxis die Geschichten von anderen unglücklichen Ehen an.</P><P>Zum Beispiel von Sonja (Kerry Armstrong), deren Verhältnis zu ihrem Mann Leon zunehmend kühler wird. Dieser Leon (Anthony LaPaglia) wiederum, Polizist der Mordkommission, steht im Zentrum der Geschichte. Ihn lernt man am besten kennen, begreift seine Midlife-Crisis, erkennt die Beweggründe seines Handelns, beobachtet die kleinen Niederträchtigkeiten des Lebens, die diesen zärtlichen Kraftklotz zu einer kurzen Affaire mit Jane führen. Ein Panorama normaler Menschen mit alltäglichen Lebenslügen, in deren Dasein aber das große Drama _ Tod und Leidenschaft, der Zwang, der Wahrheit ins Auge zu sehen _ ganz nahe, eine merkwürdig unfassbare Bedrohung immer präsent sind. Und eines Tages verschwindet jemand aus diesem Kreis, und Leon beginnt zu ermitteln.</P><P>Mit langem Atem und einer eleganten Intensität gelingt Ray Lawrence ein berührender, kühler, doch gefühlvoller, starker Film, der Thriller und Beziehungsdrama vermischt. Dieses reife, existenzielle Entfremdungsszenario zeigt ein Dasein voller unterdrückter Emotionen, Furcht und Eigennutz, geprägt von der Frage nach dem Glück auf Erden, die mindestens so schwer zu durchdringen ist wie das titelgebende Gestrüpp. Es sind die Frauen, die dabei mehr im Mittelpunkt stehen, zugleich aber auch die Weiblichkeit der Männer. So erzählt "Lantana" von zwei verhärteten, durchs Leben enttäuschten Männern, die durch die Ereignisse um sie, den Zufall, aber auch durch eigene Anstrengung lernen, lernen, sich wieder zu öffnen; zu ihren Gefühlen zu stehen.</P><P>Ohne Zweifel ist "Lantana" einer der besten Filme des Jahres. (In München: Atelier, Aircraft, Cinema und Museum i. O.)<BR>Rüdiger Suchsland <BR>"Lantana"<BR>mit Barbara Hershey, Kerry Armstrong, Anthony LaPaglia<BR>Regie: Ray Lawrence<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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