Tränen der Rührung

- Der deutsche Film hat seinen Platz in Europa gefunden. Mit gleich vier Preisen holten die Deutschen bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises so viele Jury-Auszeichnungen wie noch nie zuvor. Das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck wurde am Samstagabend in Warschau als bester europäischer Film und für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Hauptdarsteller Ulrich Mühe, der in dem Film einen reuigen Stasi-Hauptmann spielt, wurde als bester europäischer Schauspieler geehrt. Auch der beste europäische Dokumentarfilm kommt aus Deutschland: Philip Gröning nahm die Auszeichnung für seine Kloster-Studie "Die große Stille" entgegen.

Erfolg für den deutschen Film

"Das ist ein großer Schritt", sagte der 53-jährige Mühe über den Erfolg von "Das Leben der Anderen", den bereits mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland gesehen haben. "Jetzt geht der Film in die Welt." Von Donnersmarcks Debütwerk über die Machenschaften der DDR-Staatssicherheit schlug damit den spanischen Mitfavoriten "Volver" von Pedro Almodóvar im Rennen um den besten Film. "Man muss lernen, dass man nicht immer alles haben kann", meinte der spanische Regisseur, der insgesamt aber immerhin fünf Preise mit nach Hause nehmen konnte.

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Mit "Das Leben der Anderen" ist innerhalb von fünf Jahren bereits zum dritten Mal eine deutsche Produktion mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden. 2004 hatte Fatih Akins "Gegen die Wand" den Preis als bester Film gewonnen. Das Jahr zuvor holte "Good Bye, Lenin!" von Wolfgang Becker drei Jury- und drei Publikumspreise. Von Donnersmarcks Film ist auch im Rennen um eine Oscar-Nominierung. "Ich fühle mich europäischer als je zuvor in meinem Leben", sagte der 33 Jahre alte von Donnersmarck in Warschau. "Ich bin überzeugt, wenn es um die grundlegenden menschlichen Gefühle geht, sind die Menschen überall gleich. Ich habe mir geschworen, Filme über diese Gefühle zu machen." Und Dokumentarfilmer Gröning meinte: "Die Preise heute Nacht beweisen, dass auch extrem schwierige Filme sehr erfolgreich sein können."

Die meisten Auszeichnungen räumte mit gleich fünf Preisen aber dennoch "Volver" ab. Die "preiswürdige" Penelope Cruz: "Ich will nicht weinen, aber das ist wirklich schwierig", meinte die auch in Hollywood erfolgreiche Spanierin und dankte ihrem Regisseur dann doch schluchzend: "Pedro, ich liebe Dich sehr. Du hast mir meine Karriere ermöglicht!" Almodóvar wurde von der Europäischen Filmakademie auch zum besten Regisseur gekürt. Er nahm außerdem den Publikumspreis für den besten Film entgegen. "Volver" erhielt außerdem Auszeichnungen für die beste Filmmusik und die beste Kamera.

Der französisch-polnische Regisseur Roman Polanski blinzelte gegen Tränen der Rührung an, als er für sein Lebenswerk geehrt wurde. "Diesen Preis in meiner Stadt zu erhalten, das ist etwas ganz Besonderes", sagte der Regisseur, der seine Dankesworte in Polnisch und Englisch sprach. "Nur gute Dinge geschehen mir in dieser Stadt." Der heute 73-jährige Polanski habe als Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzent "unvergessliche Kinoerlebnisse geschaffen" wie "Tanz der Vampire" (1967), "Rosemaries Baby" (1968) und "Der Pianist" (2002), so die Jury. Für Polanski wurde der Abend in Warschau zu einem Wiedersehen mit alten Freunden und Kollegen wie Andrzej Wajda und Agnieszka Holland. Und von Donnersmarck fühlte sich an das deutsche "Sommermärchen" erinnert: "Das fühlt sich genauso an, als ob wir die Fußball-WM doch gewonnen hätten ­ oder wenigstens die Europameisterschaft."

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