Tränenfeuchter Blick in die Zukunft

- England 1943: Die junge Schottin Charlotte Gray (Cate Blanchett) verliebt sich in den Luftwaffenpiloten Peter (Rupert Penry-Jones), der kurz darauf zu einem riskanten Einsatz nach Frankreich aufbricht. Charlotte schließt sich im Kampf gegen die Deutschen der Resistance an. In einem kleinen französischen Dorf wird sie als Nachrichtenkurier eingesetzt. Dort lernt sie den Kommunisten Julien (Billy Crudup) kennen, rettet jüdische Kinder und hofft darauf, irgendwann ihren Peter wiederzusehen.

<P></P><P>Drehbuchautor Jeremy Brock und Regisseurin Gillian Armstrong haben sich in ihrer Spielfilm-Adaption "Die Liebe der Charlotte Gray" stark an dem gleichnamigen Roman von Sebastian Faulks orientiert. Und so sind viele Plattheiten, Ungenauigkeiten und Sentimentalitäten sicherlich nicht nur dem Filmteam, sondern bereits dem Autor anzulasten. Doch es gelingt Gillian Armstrong trotz ihrer beiden wirklich exzellenten Hauptdarsteller Blanchett und Crudup nur in wenigen Szenen, die für diese Liebesgeschichte notwendige Intensität zu erzeugen.</P><P>Stattdessen begegnen einem hier längst vergessen geglaubte Scherenschnitt-Charaktere: Da grunzen die bösen Nazis Befehle, die Franzosen blicken stets mit tränenfeuchtem Blick in die Zukunft, und nur die energischen Briten pressen entschlossen die Lippen aufeinander, bevor sie in den nächsten Kampfbomber stürzen. Die ganze Melodramatik dieses Herzensreigens in Zeiten des Krieges ist zu glatt inszeniert, manchmal auch zu schön bebildert, um echte Emotionalität spüren zu lassen.</P><P>Den schmerzlichen Reifeprozess, den diese leidgeprüfte Frau durchlaufen muss, um endlich nach Kriegsende zu wissen, wohin oder besser: zu wem sie gehört, kann der Zuschauer nicht wirklich nachvollziehen. Das Selbstfindungsdrama, um das sich die Kriegswirren malerisch drapieren, wirkt immer nur behauptet. (In München ab morgen: Museum i.O.)<BR><BR>"Die Liebe der Charlotte Gray"<BR>mit Cate Blanchett, Rupert Penry-Jones, Billy Crudup<BR>Regie: Gillian Armstrong<BR>Annehmbar</P>

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