+
Die Krimi-Legende als realer Mensch: Sherlock Holmes ist für Ian McKellen eine Paraderolle.

Lösung und Erlösung

Trailer: Der letzte Fall des "Mr. Holmes"

München - In „Mr. Holmes“ plagt den Meisterdetektiv sein letzter Fall und erscheint den Zuschauern damit so menschlich wie nie. Zwar gibt es keine Leiche, dafür massenhaft Tote.

Es gibt keine Leichen in „Mr. Holmes“ – aber mehr als genug Tote. 93 ist Sherlock mittlerweile, hat sich vor Jahrzehnten aufs Land zurückgezogen, widmet sich der Imkerei. Sein einziger „Mordfall“: das rätselhafte Sterben seiner Bienen. Aber all die inzwischen verstorbenen Begleiter – Watson, Mycroft, Lestrade, Mrs. Hudson – sind insgeheim bei ihm.

Sherlock Holmes ist nicht der Einzige, in dessen Leben die Abwesenden stark präsent sind. Da ist der Mann seiner Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney) – im Krieg gefallen; Vater des elfjährigen Roger (Milo Parker), Holmes’ einzigem Vertrauten. Und da ist der verschwundene Vater seines japanischen Freundes Mr. Umezaki (Hiroyuki Sanada).

Holmes plagt der letzte, ungelöste Fall, der ihn 1919 dazu trieb, seinen Beruf zu fliehen. Mühsam versucht er, aus seinem schwindenden Gedächtnis die Erinnerung zusammenzupuzzlen an jene Dame in Grau, die er damals beschattete. Und wird von der Indizienkette zu etwas Persönlicherem geführt als einem Verbrechen.

„Mr. Holmes“ vereint wieder die tolle Mannschaft von „Gods and Monsters“. Wie in der ersten Zusammenarbeit von Condon und McKellen geht es auch hier um einen Meister am Ende seines Lebens, um Rückschau und versäumte Lebenswege, um Freundschaft zu einem jungen Adepten. Anders als „Elementary“, Guy Ritchies Steampunk-Blockbuster, oder „Sherlock“ imaginiert diese Verfilmung von Mitch Cullins Roman „A slight Trick of the Mind“ den legendären Detektiv als realen Menschen, der selbst amüsiert ist von den übertriebenen Schilderungen seiner Taten. Und der die viktorianische Welt überlebt hat, um noch die moderne Dimension des Mordens, den Zweiten Weltkrieg und Hiroshima mitzubekommen.

Die Titelrolle ist für den genialen McKellen ein Paradestück – auf zwei Zeitebenen macht er berührend subtil und menschlich sowohl Holmes’ abweisende emotionale Rüstung als auch das Verletzliche dahinter lebendig. Doch das ganze Ensemble, bis zur kleinsten und jüngsten Rolle, ist fantastisch. Der Film ist an der Oberfläche von eher versöhnlich-gediegenem Tonfall getragen; mitunter könnte man ihn gar für rührselig halten. Aber die Feinheiten, die darstellerische Tiefe in jedem Blick, jeder Bewegung lassen nie den Schmerz, die Wunden verschwinden. Schwerer als die Lösung des Falls ist die emotionale Erlösung. In „Mr. Holmes“ kann man seinen Frieden manchmal erlangen durch das Finden der Wahrheit, manchmal durch das Erfinden einer tröstlichen Geschichte.

„Mr. Holmes“

mit Ian McKellen, Laura Linney Regie: Bill Condon Laufzeit: 105 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Gods and Monsters“ mochten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Star Wars 8 „Die letzten Jedi“: Jetzt die letzten Tickets sichern
Star Wars 8 startet heute Nacht um 23:59 Uhr in den Kinos. Hier erfahren Sie, wo sie jetzt die letzten Tickets zur Vorpremiere kaufen können. Zudem klären wir noch …
Star Wars 8 „Die letzten Jedi“: Jetzt die letzten Tickets sichern
Warum "Stirb langsam" alle Weihnachtsfilme wegballert - und Sendezeiten
Vergessen Sie Märchenfilme und Komödien! Kein Film versprüht mehr Weihnachtsgeist als der knallharte Action-Klassiker "Stirb langsam" mit Bruce Willis. Man muss sich nur …
Warum "Stirb langsam" alle Weihnachtsfilme wegballert - und Sendezeiten
Mark Hamill über Carrie Fisher: „Als sie starb, war ich sauer!“
„Star Wars - Die letzten Jedi“ läuft ab Donnerstag in den Kinos. Die tz hat mit Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill über seinen Ruhm, über Actionfiguren und seine …
Mark Hamill über Carrie Fisher: „Als sie starb, war ich sauer!“

Kommentare