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Willkommen im Nirgendwo: Die Familie Zantoko landet in der französischen Provinz.

Aus Sicht der vermeintlichen Außenseiter

Trailer zu „Ein Dorf sieht schwarz“: Gut die Waage gehalten

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Marly-Gomont ist eines der berühmtesten Örtchen Frankreichs. Nicht, weil es in der 450-Seelen-Gemeinde so viele Sehenswürdigkeiten gäbe. Ein lakonisches Lehrstück über Rassismus. 

Marly-Gomont wurde vor allem wegen vier seiner Bewohner populär. In den Siebzigerjahren zog der kongolesische Arzt Seyolo Zantoko (Marc Zinga) mit Frau Anne (Aïssa Maïga) und zwei Kindern dorthin. Das Dorf brauchte dringend einen Mediziner, er brauchte dringend eine Stelle. Eigentlich der perfekte Deal.

Schon 2006 veröffentlichte der französische Rapper Kamini, Sohn von Zantoko, die Single „Marly-Gomont“. Nun kommt der dazugehörige Film ins Kino. „Ein Dorf sieht schwarz“ setzt sich auf komödiantische, äußerst lakonische Art und Weise mit dem Thema Rassismus auseinander. „Das ist schlimmer als Zaire“, stellt Zantokos Familie fest, als sie mit dem Bus in der Pampa landet. Es regnet, die Bewohner sind unfreundlich, reden Kauderwelsch-Dialekt. Nur der Bürgermeister steht hinter den neuen Bewohnern und wirkt zivilisiert.

Das Besondere an dem Film: Er hält immer die Waage. Weder gleiten Szenen und Dialoge in klischeehafte Albernheiten ab, noch nimmt die Tristesse Figuren und Zuschauer so sehr gefangen, dass sich die Depression wie ein Schleier über alles legt. Auch spielen Drehbuch und Regie die zwei Fronten nicht böswillig gegeneinander aus. In Szenen voller Situationskomik machen sich die Marly-Gomonter ebenso zum Affen wie die Verwandtschaft der Zantokos, die ausgerechnet am Gedenktag der Kriegsgefallenen mit Riesenhurra das Dorf entert.

Viele Wendungen und Entwicklungen lassen sich zwar vorhersehen, dafür setzen die Ausstattung – schrecklich muffige Kneipen- und Bürgersaal-Interieurs, schillernde Kostüme – und die verschrobenen Figuren liebevolle Akzente. Dass die Komödie aus Sicht der vermeintlichen Außenseiter gedreht wurde, lässt ihr einen Sonderstatus zukommen. Die Grenzen zwischen Innen und Außen, Norm und Gegennorm lösen sich auf.

„Ein Dorf sieht schwarz“

mit Marc Zinga, Aïssa Maïga

Regie: Julien Rambaldi

Laufzeit: 94 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Provinzkomödien mögen.

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