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Parteichefin Agnès Dorgelle (Catherine Jacob, Mi.) benutzt Pauline (Émilie Dequenne, re.) für den Wahlkampf.

Rechtspopulismus

Trailer zu „Das ist unser Land!“ - Le Pens Verwandte

Der Kinofilm „Das ist unser Land!“ befasst sich mit rechtspopulistischer Politik. Die Ähnlichkeit der fiktiven Agnes Dorgelle mit Marine Le Pen ist unverkennbar.

München - Krankenschwester Pauline (Émilie Dequenne) ist von morgens bis abends auf den Beinen, bleibt freundlich, wenn die Kranken ausfallend werden. Doch wenn sie nachdenkt, gibt es viel, was ihr missfällt: die hohen Arbeitslosenzahlen, die Einsparungen im Sozialbereich und andere „Beweise“ für die Gleichgültigkeit der Regierung. Ändern könne sie ja doch nichts, deswegen gehe sie nicht wählen, sagt Pauline ihrem väterlichen Freund Berthier (André Dussollier). Der widerspricht: Es gebe für die Anliegen der kleinen Leute die richtige Partei, nun müsse sie noch mit guten Kandidaten an die Macht kommen. Und wer stehe dem Volk näher als Pauline?

Verführung ist das Ziel dieser Szene, die aus einer unpolitischen Frau eine kommunale Kandidatin der rechtspopulistischen RNP machen soll, um dieser zu einem besseren Image zu verhelfen. Belvaux macht bei seinem Drama keinen Hehl daraus, dass mit der RNP der Front National gemeint ist. Die Ähnlichkeit der fiktiven Agnes Dorgelle mit Marine Le Pen ist unverkennbar. Wie ihr reales Vorbild gibt sich Dorgelle als um Frankreichs Wohl besorgte Powerfrau, die sich offiziell von den faschistischen Wurzeln ihrer Partei losgesagt hat, aber nicht vor Hassparolen zurückschreckt.

Weniger geglückt sind die Auseinandersetzungen der verführten Pauline mit Freunden. Leicht überladen mit Episoden um die wachsende Gewaltbereitschaft in Frankreich, verliert der Film an Präzision, bevor er abrupt zum Schluss kommt. Das ist nach dem starken Beginn etwas ernüchternd, aber konsequent: Die Auseinandersetzung mit dem Thema soll nicht mit dem Abspann enden.

„Das ist unser Land!“

mit Émilie Dequenne

Regie: Lucas Belvaux

Laufzeit: 119 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie wissen möchten, wie Politik funktioniert.

Marius Nobach

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