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Training in Demokratie

- Wieder ist die Bühne dunkel und leer. Wieder sind Orte und Gegenstände nur auf dem Boden aufgemalt. Doch die Geschichte spielt diesmal nicht mehr in den Rocky Mountains, sondern im tiefsten Süden der USA. In einem Kaff irgendwo in Alabama. Auf der Baumwoll-Plantage Manderlay. Hier legen Grace (Bryce Dallas Howard), ihr Vater (William Dafoe) und seine Gangsterbande eine Pause von der langen Reise ein.

Die Konstellation der Figuren, die Zeitlosigkeit sowie die fragmentarische Bühnengestaltung wecken Erinnerungen. Bewusst hat der dänische Regisseur Lars von Trier sich im zweiten Teil seiner geplanten Trilogie über die USA an "Dogville" gehalten, den ersten Film seiner schonungslosen Abrechnung mit der Weltmacht.

Trier geht wie ein Wissenschaftler an ein Thema heran. "Was ist Liebe?", lautete etwa die Kernfrage in "Breaking The Waves". "Was ist normal?", stand im Mittelpunkt seines Dogma-Beitrages "Idioten". In der Amerika-Trilogie, die mit ans epische Theater gemahnenden Verfremdungseffekten ausstaffiert ist, dreht sich alles um die Überlegung, was eigentlich die USA zur Supermacht befähigt.

Grundwerte einpeitschen

Akribisch seziert Trier das außen- und innenpolitische Gebaren der USA im Laufe der Jahrhunderte - als Lehrbeispiel dient diesmal eine Baumwoll-Plantage, auf der 1933 noch Sklaven gehalten werden. Grace ist entsetzt und will den Sklaven die Grundwerte der Demokratie beibringen. Anfangs vergebens. Erst als die Besitzerin der Farm (Lauren Bacall) stirbt, scheint Graces Stunde der Aufklärung gekommen.

Mit unorthodoxen, aber ehrenwert gemeinten Methoden peitscht sie den Schwarzen die Regeln von Freiheit, Selbstbestimmung und Gleichheit ein. Doch das Unwissen der naiven Besatzerin, kombiniert mit dem Unwillen der Sklaven, ergibt binnen kürzester Zeit eine explosive Mischung. Dass derart repressives Demokratie-Training langfristig wenig erfolgreich ist, zeigt Trier auf drastische Weise. Die realen Parallelen sprechen für seine Theorie, etwa die Einsätze der US-Armee in Krisenregionen von Afghanistan bis Irak, die Gräueltaten von Abu Graib eingeschlossen.

Warum scheitert eine Demokratie? Können die Menschen ihre Interessen nicht vertreten, da man sie zu lange unterdrückt hat? Muss man das vermeintlich Beste notfalls mit Waffengewalt durchdrücken? Heiligt der Zweck wirklich alle Mittel? Der Film stellt diese Fragen in Form einer einprägsamen und sehr ironischen Parabel.

Die Wirkung von "Manderlay" ist weitaus stärker als die von "Dogville". Zum einen hat Trier noch mehr exemplarisch-theatralische Szenen eingebaut. Zum anderen liegt die enorme Wucht des Geschehens in der Umbesetzung der Hauptrolle: Gab Nicole Kidman in "Dogville" ihre Grace als ein zwar schwaches, aber letztlich zu allem entschlossenes Persönchen mit stahlhartem Rückgrat, wirkt die engelsgesichtige Bryce Dallas Howard bis zum Schluss, als könne sie kein Wässerchen trüben. Es wird spannend sein, die beiden Graces in Triers drittem Film "Washington" nebeneinander zu sehen . . .

"Manderlay"

mit Bryce Dallas Howard,

William Dafoe

Regie: Lars von Trier

Hervorragend

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