Trauriger Casanova

- Schon in der Erfolgskomödie "Meine Braut, ihr Vater und ich" hatte John Hamburg sozusagen aus dem Nichts zwingende Situationen entstehen lassen, die dem Helden gar keine andere Wahl lassen, als sehenden Auges auf ein Desaster zuzusteuern. Mit ". . . und dann kam Polly" demonstriert er erneut die Beherrschung dieser Kunst.Das bemitleidenswerte Opfer ist Ben Stiller. Er spielt den hasenfüßigen Versicherungsangestellten Reuben Feffer, der immer brav den Weg des geringsten Risikos geht und damit grandios scheitert.

<P>Seine wohlüberlegte Heirat ist am ersten Tag der Flitterwochen zerstört, nachdem ihn seine Frau mit einem Tauchlehrer (Hank Azaria mit einem fulminantem Gastauftritt) betrügt. Der Kontrollfanatiker Feffer sucht daraufhin ausgerechnet in den Armen seiner ehemaligen Mitschülerin Polly (Jennifer Aniston mit subversivem Charme) Trost und kommt so vom Fegefeuer einer zerbrochenen Ehe in die Hölle einer unverbindlichen Beziehung.<BR><BR>Denn Polly ist eine Vollzeit-Chaotin, die fröhlich in den Tag hineinlebt und keine Gedanken an eine ernste Bindung verschwendet. Wenn überhaupt hängt sie nur an einem blinden Frettchen, das sie als Haustier hält. Und je mehr sich der traurige Casanova um die Gunst der jungen Dame bemüht, desto lächerlicher macht er sich.<BR><BR>Regisseur Hamburg hat sich einmal mehr jene furchtbaren Szenen einfallen lassen, die so absurd und doch vorstellbar sind, dass man mitunter körperlich mitleidet. Wenn Stiller gleich beim ersten Treffen die Toilette der Angebeteten verstopft oder in einem Salsa-Club seiner Herzdame zuliebe hilflos Tanzen simuliert, ist das mindestens so tragisch wie komisch. Und man sieht diesem Film die gelegentlichen Ausflüge in die Gefilde des Fäkalhumors nach.<BR><BR>Den Schauspielern gelingt der schwierige Balanceakt zwischen Klamauk und feinen Zwischentönen gut. Ben Stiller und Jennifer Aniston ergänzen sich in dieser Hinsicht perfekt. Ob man im wahren Leben so lange dabei zusehen könnte, ist freilich mehr als fraglich. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Gloria, Münchner Freiheit, Autokino, Cincinnati, Cinema i. O.)<BR><BR>". . . und dann kam Polly"<BR>mit Jennifer Aniston, Ben Stiller<BR>Regie: John Hamburg<BR>Sehenswert </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
München - John Hamburgs „Why him?“ variiert fantasielos das Duell Schwiegervater-Schwiegersohn.
Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
München - „Hell or High Water“ ist ein höllisch unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel im modernen Wilden Westen.
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
München - Roger Spottiswoode verfilmte den Bestseller „Bob, der Streuner“ angenehm kitschfrei.
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung
München - „La La Land“ ist eine gesungene und getanzte Liebeserklärung an das Leben, die Leidenschaft und Los Angeles.
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung

Kommentare