Ein trauriger Flecken Erde

München - Junge Leute auf der Suche nach der Normalität im Nahen Osten: Michael Kammouns furioses Debüt "Falafel".

Toufic und seine Freunde wollen feiern. Sie leben in Beirut, und gerade deswegen wollen die jungen Leute dem Leben, der Stadt, der Situation Normalität abtrotzen.

Der Bürgerkrieg ist seit 15 Jahren vorbei, aber sein unheilvolles Erbe wabert immer noch durch Beiruts Straßen. Es wird Toufic und seine Freunde vergiften und allen eine Nacht bescheren, die sie lieber vergessen würden. Oder aber: genau die Nacht, die sie brauchen, um nicht zu vergessen. Der junge libanesische Regisseur Michel Kammoun zeigt in seinem furiosen Spielfilmdebüt die unbekannte Seite des Nahen Ostens. Die Welt ganz normaler jungen Menschen, die eine Zukunft wollen, über die sie selbst bestimmen. Eine Welt, in der geflirtet und weltlichen Genüssen nachgejagt wird.

Aber Kammoun ist kein Träumer: Immer liegen die bleiernen Schatten der Vergangenheit über diesem traurigen Flecken Erde. Und auch wenn eine neue Generation versucht, dem Irrsinn, der Gewalt, der Sinnlosigkeit zu entfliehen, greifen bei ihr die gleichen Mechanismen der Vergeltung, des Fanatismus und des Verrats am Mitmenschen.

Das klingt fatalistisch, aber Kammoun glaubt nicht an das Schicksal. Ob die Söhne die Fehler ihrer Väter wiederholen, liegt an ihnen selber. Jeder einzelne kann die unsichtbare Linie, die das Richtige vom Falschen trennt, erkennen, wenn er will. Und daraus seine Schlüsse ziehen. Gedreht wurde "Falafel" übrigens vor den neuen blutigen Unruhen im Libanon. Als ob Kammoun geahnt hätte, dass er die einzigartige Chance hatte, ein friedliches Beirut zu zeigen. Und so lässt einen der Film mit schwerem Herzen zurück: Es tut immer weh, wenn die Dinge so kommen, wie sie kommen müssen, aber nicht sollten.

"Falafel"

mit Elie Mitri

Regie: Michael Kammoun

Hervorragend

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