Trickfilm verpasst Bullen ein Euter

- Wo ist der Himmel noch blau und die Wiese flaschengrün wie auf den billigen Ansichtskarten? Und wo ist der Jungbulle mit einem rosaroten Euter (!) gesegnet? - Na? Erraten: im amerikanischen Trickfilm. Für die computeranimierten Lebewesen ist Plastikkunst das richtige Stichwort. Die Körper sind potthässlich: mit gewölbten, manchmal fast bis zum Platzen vollgestopften Gliedmaßen, zerlegbar in Einzelteile, aber nahezu unbeweglich, hygienisch glatt und abwaschbar.

Die Farbpalette setzt auf harte Kontraste, ein fließender Übergang entfällt: Ben, der Jungbulle, ist schwarz-weiß gefleckt mit rosa Schnauze; Daisy, die Kuh, sieht genauso aus, nur trägt sie noch eine rosa Schleife um den Hals zur Unterscheidung. Aufklärung auf Amerikanisch. Auch wenn die Unterscheidung des Einheitskörpers bei Donald und Daisy Duck über Matrosenmütze und Schleife noch wunderbar funktionierte, ist sie bei Rindern gewöhnungsbedürftig -und doch, nach einer Viertelstunde wachsen einem diese seltsamen Gestalten ans Herz.

 An den Bildern liegt das nicht, mag Regisseur Steve Oedekerk auch einige witzige visuelle Gags aus dem Ärmel ziehen, doch die Tonspur macht vieles wieder wett. Bei der Geschichte greift die Trickfilmanimation tief in die Gefühlkiste: Böse Kojoten greifen die Farm an. Die Tiere werden hier nicht vom Bauern, sondern vom ältesten Bullen verteidigt.

 Bens Vater stirbt im Kampf gegen das gefräßige Rudel, weil sein Sohn lieber auf die Party geht, statt mit ihm zu wachen. Doch der Tod des alten Stiers bringt den Luftikus zur Raison. "Der Starke übernimmt die Verantwortung für sich selbst, aber der Stärkere übernimmt die Verantwortung für alle, die ihm anvertraut sind", lautet die Moral des Films. Und solch Heldentum macht einem die hässlichen Figuren so sympathisch, dass man sie vielleicht doch noch kauft, wenn sie einem demnächst im Spielzeugladen begegnen sollten . . .

"Der tierisch verrückte Bauernhof"

Regie: Steve Oederkerk

Annehmbar ***

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