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Münchner Technik für Hollywood: Michael Coldewey, Simone Kraus und Christian Sommer (v. l.) mit ihrem Ultron Mark One (2015) aus „Avengers 2“.

Animationsstudio Trixter

In der Maxvorstadt wird für Hollywood getrickst

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München - Erfolg ist keine Trickserei. Eher eine Trixterei. Denn Trixter, ein Studio für Animation und visuelle Effekte, ist eine der Top-Adressen ihrer Art. Und diese Top-Adresse hat ihren Hauptsitz in der Amalienstraße, direkt hinter der Ludwig-Maximilians-Universität, in einem Hinterhof.

Die tz besuchte die Tüftler für die Traumfabrik – immerhin haben sie für Marvels Avengers: Age of Ultron den schaurig-schönen Ultron entwickelt, an Iron Man 3 mitgeschraubt und liegen derzeit in den letzten Zügen für Captain America Civil War (April 2016) und Roland Emmerichs Independence Day 2 (Juni 2016). Kurz: ohne Hinterhof in der Maxvorstadt kein Hollywood …

Auf 600 Quadratmetern und drei Stockwerken geht es zu wie in einem Bienenstock. Ruhig und konzentriert summen die Entwickler-Profis an ihren Rechnern vor sich hin, das Durchschnittsalter ist ebenso niedrig wie die Vielfalt der unterschiedlichen Nationen hoch. Aus 20 Ländern kommen die Mitarbeiter – „jede Hautfarbe, jede Religion“, sagt Michael Coldewey (53). Der Münchner ist einer der beiden Firmengründer und Chefs von Trixter, hat dazu eine Professur an der Filmhochschule im Bereich VFX (Visuelle Effekte). Coldewey weiß: „Ohne die weltweiten Spezialisten wären wir weg vom Markt.“

Die Sprache im Büro ist Englisch. Auf dem Markt ist Trixter übrigens seit 1998, und der Durchbruch kam mit Bully Herbigs Hui Buh im Jahr 2006. Das sprach sich rum.

Die Verschwiegenheitsstufe gerade bei den US-Projekten ist wie bei der NSA – aber hoffentlich ohne Lecks. „Die eingefleischten Fans von Marvel-Produktionen etwa wollen unbedingt wissen, wie der neue Captain America aussieht. Doch wenn da was nach außen dringen würde, wäre das für uns der Todesstoß“, formuliert’s Coldewey drastisch. Alle Kreativ-Mitarbeiter unterzeichnen im Arbeitsvertrag eine Verschwiegenheitserklärung – und haben auch keinen Zugriff aufs Internet. 100 feste und freie Mitarbeiter gibt’s allein in München – und alle müssen in der Amalienstraße arbeiten. Home Office? Zu gefährlich.

Um an die internationalen Top-Aufträge zu kommen, braucht’s eine hervorragende Vernetzung. Dafür sorgt Simone Kraus (46), Frau der ersten Trixter-Stunde, die normalerweise in Los Angeles sitzt, aber beim tz-Besuch ausnahmsweise im Haupthaus ist. Dass übrigens in der einstigen Männerdomäne Film mittlerweile eine Frau an der Marvel-Spitze in den USA sitzt, muss für Trixter mit Simone Kraus in Los Angeles auch nicht schaden.

Und dann ist da noch der Dritte im Bunde: Der studierte BWLer Christian Sommer (50) ist der Mann für den kühlen Kopf und die harten Zahlen. Der Geschäftsführer war viele Jahre für die Bavaria Film und die Telemünchen-Gruppe tätig und genießt es heute, in Sneakers und Jeans herumlaufen zu können.

Nur Visual Effects für Hollywood sind freilich nicht genug und wären als einzige Geschäftssäule auch ziemlich riskant. „Unser Geschäft“, erklärt Christian Sommer, „fußt auf drei Säulen: die Visual Effects, dann Animationsfilme wie Hexe Lilli oder Tabaluga und Werbespots.“

Als wir Trixter verlassen, brummt uns der Schädel fast so laut, wie’s im Serverraum zugeht. Zum Glück gibt uns Coldewey noch einen Satz mit auf den Weg, der die Hexerei in der Amalienstraße kurz und knackig bündelt: „Der beste visuelle Effekt ist der, den man nicht sieht.“

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