Turnstunde mit dem Star

- "Ich habe acht Monate trainiert, 12 Kilo Muskeln aufgebaut." - Es lohnt sich also doch, zum Bodybuilding zu gehen und den Nachtisch wegzulassen. Tom Cruise ist der Beweis. Um seine Worte zu untermauern, stieg er kurzerhand auf den Tisch und gab beim Pressegespräch eine Gymnastikstunde: Fingerspitzen bis ans Knie, begleitet von eigenem Gelächter, damit auch jeder merkt, dass dies nur den Zustand vor dem Training demonstrieren soll, dann Fingerspitzen zu den Füßen.

<P>Von "70 blauen Flecken" war auch noch die Rede vor der Premiere zu seinem Film "Last Samurai" am Montag in Berlin. Darin spielt Cruise einen traumatisierten US-Soldaten, der 1876 nach Japan reist, und durch den Kontakt mit der fremden Kultur schließlich auch seine Seele heilt. "Respekt vor anderen Kulturen" sei ihm wichtig, erklärte Cruise. "In diesen Zeiten müssen wir eine gemeinsame Grundlage finden." Natürlich Einverständnis. Ein leichtes Zischen gab es nur, als der Star auf die Scientology-Kirche zu sprechen kam, als deren prominentester Botschafter er bekannt ist: "Mir hilft Scientology, anderen zu helfen. Ich bin froh, viele Leute von Drogen abgebracht zu haben."</P><P>Dann schwenkt er wieder auf die Schiene üblicher Hollywood-Unverbindlichkeiten ein: "Als Held verstehe ich mich privat nicht." Na klar. "Mit Werten wie Loyalität und Verantwortung kann ich mich identifizieren." Logo. "Ein Oscar ist wunderbar. Aber ich mache Filme nicht, um Preise zu bekommen." Das hatten wir immer geahnt. Lächeln. Blitzlicht. Und da war es wieder, das jungenhafte Cruise-Grinsen, wohlerzogen und nett, aber auch Zähne zeigend.</P><P>Immer schien Cruise ein wenig am Peter-Pan-Syndrom zu leiden: Ein Mann, für den das Erwachsenwerden eine "mission impossible" ist. Ein großes Kind. Vielleicht war es Stanley Kubrick, der die entscheidende Veränderung bewirkte, in dem er Cruise in "Eyes Wide Shut" als weichen Loser-Gatten besetzte. Seitdem hat Cruise seine Rollen intelligent erweitert, die Fähigkeit entwickelt, sich selbst zum Thema seiner Filme zu machen, eine Leinwand-Persona zu bilden. Genau dies unterscheidet den Star vom Darsteller. Manchmal, denkt man, versucht Cruise vermutlich immer noch, in Rollen wie in öffentlichen Auftritten, dem Peter Pan in sich zu entkommen, reif zu werden.</P><P>Nach dem Gespräch flanierte er in eisiger Kälte über eine Stunde lang auf dem roten Teppich im Berliner Sony Center, gab bereitwillig Autogramme, ließ sich geduldig lächelnd fotografieren - als wolle er sich seiner Popularität immer neu versichern. Es war zu spüren: In diesem Augenblick, in der Menge, die ihn liebte, war er fast bei sich selbst.<BR></P>

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