Komödie mit Schmäh

"Über-Ich und Du": Anders, als man denkt

München - Benjamin Heisenbergs konnte sich in seiner neuen Komödie „Über-Ich und Du“ offenbar nicht entscheiden, in welche Richtung es gehen soll.

Buddy-Film, Horrorgroteske, Außenseiter-Komödie, Familien-Farce oder psychoanalytische Spielerei: Ja, was denn nun? In seinem dritten Spielfilm nach „Schläfer“ (2005) und „Der Räuber“ (2010) konnte sich Benjamin Heisenberg offensichtlich nicht entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Hier kommt alles anders, als man denkt. Und dennoch wirken Film, Figuren und Fantasien so wunderbar bekannt.

„Über-Ich und Du“ besitzt viel von einer Schräge-Typen-Parade. Da wäre zum einen Nick, ein Kleingauner und Rumtreiber. Diese fleischgewordene Inkarnation des Unseriösen schmuggelt sich zu Beginn der Posse mit ein paar Tricks ins Haus des steinreichen und betagten Star-Psychologen Curt. Eine Schicksalsgemeinschaft beginnt und nimmt im Lauf der Zeit immer bizarrere Züge an. Mit dem Österreicher Georg Friedrich als Hallodri und dem Franzosen André Wilms als tapsigem Senior mit NS-Vergangenheit hat Heisenberg ein Dreamteam geschaffen. Allein das Spiel mit Gegensätzen und Gemeinsamkeiten dieses kauzigen Duos trägt weite Teile der Komödie. Angereichert mit bitterbösen Analysen des Familienlebens erfüllt diese sogar ein Stück des im Titel versprochenen psychologischen Tiefgangs und gibt ganz beiläufig preis, dass die Wissenschaft der Seele auch Gesellschaftskritik bedeuten kann.

Gegen Ende des Films allerdings weicht der heitere Ton, und Heisenberg stellt den Zuschauer auf die Probe: Will dieser das neurotische Spiel der Protagonisten bis zum Exzess begleiten? Oder hält er den Übergang vom Absurden zum Horrorszenario nicht aus? Das muss jeder selbst für sich beantworten – ebenso wie die Frage, ob die plötzliche Wendung psychologisch stimmig ist oder nicht.

Katrin Hildebrand

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