Die überflüssigen Männer

- "Männerpension" von Detlev Buck war 1995 für Marie Bäumer das, was man gemeinhin "den Durchbruch" nennt: Die gebürtige Hamburgerin, die bis zu diesem Zeitpunkt vorwiegend auf kleineren Bühnen Theater gespielt hatte, wurde über Nacht zu einer festen Größe im deutschen Filmgeschehen.

Wer ist nun diese wunderschöne Brünette, die damals in einer unvergleichlichen Mischung aus Stolz und Unnahbarkeit die Altenpflegerin Emilia darstellt, die einen Häftling (Til Schweiger) beherbergte und nebenbei noch herrlich Akkordeon spielte?

Auch wenn heute von "Männerpension" meist nur noch die Rede ist, um den ersten, sekundenkurzen Leinwandauftritt von Jenny Elvers zu memorieren - für Marie Bäumer veränderte sich vieles nach diesem Film. Es folgten zahlreiche Produktionen wie "Sieben Monde" oder "Neonnächte - Der U-Bahn-Schlitzer". Mancher Film war fast so schlecht, wie der Titel suggeriert. Mancher ("Napoleon") aber exzellent. Doch dieses qualitative Auf und Ab bekümmert die 33-Jährige wenig: "Ich liebe es, mich ausprobieren zu können, und will mich gar nicht auf einen Typ festlegen lassen. Immer nur die ätherischen Schönheiten zu spielen, das ist auf die Dauer ziemlich ermüdend."

Den meisten Kinogängern dürfte sich Marie Bäumers scharf geschnittenes Gesicht deswegen auch erst seit Bully Herbigs "Der Schuh des Manitu" auf der Netzhaut eingebrannt haben: Im erfolgreichsten deutschen Film aller Zeiten war sie als Bardame Uschi zu erleben. Trotz der zahlreichen Pointen aber noch keine "echte" Hauptrolle. Die hat sie jetzt endlich bekommen. Und was für eine! In Oskar Roehlers neuem Streifen "Der alte Affe Angst" spielt Marie Bäumer eine bedingungslos liebende Frau um die 30, die wie eine Löwin um ihre Beziehung mit dem zu Depressionen neigenden Regisseur André´ (André´ Hennicke) kämpft.

"Der alte Affe Angst" zeigt in emotional sehr aufgeladenen Szenen, wie es aussehen kann, wenn "man jemanden hasst, aber auf der anderen Seite weiß, er ist der einzige mögliche Partner auf der ganzen Welt", erklärt Bäumer den Konflikt ihrer Figur. "Für mich war der Kern meiner Rolle immer klar: Sie liebt, und zwar mit aller Ausschließlichkeit. Mehr brauchte ich vorher gar nicht zu wissen. Und dann hat uns Oskar Roehler einfach ins kalte Wasser gestoßen und gesagt: Nun spielt mal los. Naja, und das haben wir eben getan."

Dass "Der alte Affe Angst" kein leicht verdaulicher Liebesfilm ist, gibt Marie Bäumer zu. Aber übertrieben sei die unheilige Liaison der Hauptfiguren nicht: "Das kennt jeder, der die 30 überschritten hat oder Kinder hat. Da trennt man sich nicht mehr so schnell, nur weil's mal nicht gut läuft, sondern man bemüht sich mit aller Kraft, zusammen weiterleben zu können. Und manchmal merkt man gar nicht, dass man seit Jahren immer nur um dieselbe Sache streitet." Roehlers Film wurde auf der diesjährigen Berlinale uraufgeführt, im Anschluss entspann sich eine lebhafte Diskussion über die angeblich starken Frauen und schwachen Männer von heute.

Kein leicht verdaulicher Liebesfilm

"Das sehe ich definitiv nicht so. Im Film nicht, weil sich da nicht nur sie, sondern auch er für die gemeinsame Liebe verausgabt. Und im wirklichen Leben auch nicht. Ich glaube, dass das Leben heutzutage für Männer ziemlich schwierig ist. Ich möchte kein Mann sein! Sie werden rechts und links von den Frauen überholt, was die Karriere angeht. Die Frauen schmeißen nebenbei noch den Haushalt und die Kindererziehung. Nüchtern betrachtet, werden die Männer also immer überflüssiger. Und mit solch einer selbstbewussten und erfolgreichen Frau zusammenzuleben, ohne dass das eigene Ego massiv leidet, das müssen die Männer eben auch erst lernen."

 

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