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Einfach ein Auto klauen und weg – Donatella (Micaela Ramazzotti, li.) und Beatrice (Valeria Bruni Tedeschi) machen das Beste aus ihrer Verrücktheit.

Über das Normale im Verrückten

„Die Überglücklichen“: So viel Spaß muss sein

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Im Haus des Ex-Mannes und seiner neuen Gattin in dem Hochzeitskleid aufzutauchen, in dem man ihn einst ehelichte – das ist, nun ja, mutig. Und ziemlich verrückt. Aber was heißt das schon?

Paolo Virzì stellt diese Frage in „Die Überglücklichen“ nicht direkt und doch mit jeder Szene; besonders hübsch in der mit dem Hochzeitskleid.

Auf Italienisch lautet der Titel dieses zwischen Melancholie und Lebenslust tänzelnden Dramas „La pazza gioia“ – zu Deutsch: eine wahnsinnige Freude. Und das passt noch viel besser. Denn genau darum geht es ja: um die Frage nämlich, wie viel Wahnsinn in uns allen steckt und wie viel Normalität im Verrückten.

Mit der körperlich verletzlich, durch ihre dunklen Augen wiederum ganz stark wirkenden Micaela Ramazzotti und der hinreißenden Valeria Bruni Tedeschi hat Virzì die perfekten Schauspielerinnen für die weiblichen Hauptrollen gefunden. Sie spielen zwei Frauen, die in einer geschlossenen Anstalt untergebracht sind: Donatella, die Brünette, depressiv und suizidgefährdet, Beatrice, die Blondine, lebensfroh und in dem Sinne unzurechnungsfähig, als dass sie sich einfach dreist nimmt, wonach ihr beliebt. Vordergründig. Tatsächlich trägt aber auch Donatella zarte Hoffnung und Freude am Dasein in sich, während über dem Sonnenschein Beatrice allzu oft dunkle Wolken aufziehen.

Die zwei hauen ab. Für die Zuschauer der Beginn eines Road Trips, in dem das Duo alle Gesetze und Regeln des Anstands über Bord wirft. Donatella will ihren ihr entzogenen Sohn finden. Und Beatrice? Spaß haben! Verrückt viel Spaß. Wer sich ihnen in den Weg stellt und die naheliegende Frage stellt „Seid ihr verrückt?“, bekommt die passende Antwort: „Mehreren Gutachten zufolge schon!“

Doch klug inszeniert Virzì das nicht als fröhlichen reinen Wahnsinn, sondern verweist darauf, dass jeder Spaß ein Ende hat. Dass niemand unbeschwert verrückt sein kann, weil ihn die Realität am Ende doch einholt, einholen muss. So herzerfrischend realitätsfern Beatrice plappert und drauflos rennt, so ungerecht und egoistisch ist sie doch auch. Und dennoch, so lehrt uns dieser berührende Film: Ein bisschen Tollheit sollten wir uns durchaus erlauben.

„Die Überglücklichen“

mit Valeria Bruni Tedeschi

Regie: Paolo Virzì

Laufzeit: 118 Minuten

Hervorragend (((((

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Madame empfiehlt sich“ mochten.

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