Übermotiviert

- Die Geschichte ist so voller Klischees, dass sie wahr sein muss: Ein energischer Menschenfreund übernimmt das Training der Schul-Basketballmannschaft im Getto, aus dem er stammt, und formt aus den Jugendlichen anständige Mitglieder der Gesellschaft. Und zwar mit bekannten Methoden - Disziplin, harter Arbeit und gut dosierter menschlicher Wärme.

<P>Ein gewisser Ken Carter hat das im kalifornischen Richmond praktiziert, und nun hat der Regisseur Thomas Carter (weder verwandt noch verschwägert mit Ken) eine filmische Moritat daraus gezimmert, in der Samuel L. Jackson als eisenharter, aber herzensguter Schleifer eine Paraderolle hat. Auch die jungen, unbekannten Darsteller überzeugen. Und so hätte "Coach Carter" ein guter Film werden können. Dass er es nicht so richtig geworden ist, liegt an der Übermotivation, die Botschaft möglichst oft und plakativ unterzubringen. Dabei hätte es des moralischen Overkills gar nicht bedurft. Die Geschichte eines Optimisten, der daran glaubt, dass einfache Werte Jugendlichen Orientierung in einer haltlosen Gesellschaft bieten und ihnen dabei helfen, sich selber zu helfen, ist bewegend genug. Statt sich darauf zu verlassen, wird immer und immer wieder der Gutmensch Carter im Kreise seiner widerborstigen Jünger verklärt.<BR><BR>Der Sturkopf wendet Drill-Methoden an, die er vom Militär kennt, und stößt mit seiner unnachgiebigen Forderung nach guten Noten seiner Spieler Schule und Eltern vor den Kopf. Das wird eine Spur zu versöhnlich dargestellt, um einen packen zu können. Und so wirkt die Leistung des Mannes paradoxerweise unbedeutender, als er eigentlich war. Thomas Carter, der mit dem Tanzfilm "Save the last Dance" sein Talent für Choreographie unter Beweis gestellt hatte, lenkt immerhin mit furiosen Basketballszenen von mancher dramaturgischen Baustelle ab. Für Basketballfans reicht das womöglich als Anreiz. <BR><BR>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Autokino, Museum i.O.)<BR><BR>"Coach Carter"<BR>mit Samuel L. Jackson, Robert<BR>Richard<BR>Regie: Thomas Carter<BR>Annehmbar </P><P> </P>

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