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Versteckt sich in „District 9“: Wikus (Sharlto Copley) ist permanent auf der Flucht.

Der Überraschungs-Hit

München - Regisseur Neill Blomkamp realisierte mit wenig Geld das visuell eindrucksvolle Action-Spektakel „District 9“. Er beweist: Intelligenz und Action schließen sich nicht aus.

„District 9“, von „Herr der Ringe“-Regisseur Peter Jackson produziert, für ein erstaunlich geringes Budget in einem Slum in Soweto realisiert und mit enormer erzählerischer und tricktechnischer Raffinesse inszeniert, ist eine spannende Mischung aus Science-Fiction-Drama, Gesellschaftssatire und Überlebensthriller.

Es geht um Außerirdische, die von ihrem Planeten geflohen sind und mit ihrem Raumschiff in der Nähe von Johannesburg stranden. Übergangsweise werden sie in einem Auffanglager untergebracht, das bald zu einem Slum verkommt. Nachdem die sozialen Spannungen zwischen Menschen und Aliens zu eskalieren drohen, überträgt die Regierung die Verantwortung für die fremden Kreaturen einer privaten Firma, die sich von der fortschrittlichen Waffentechnik der Außerirdischen riesige Profite verspricht. Allerdings können diese Waffen nur mit Alien-DNA aktiviert werden. Als sich Wikus, ein Mitarbeiter der Firma, mit einem mysteriösen Virus infiziert, verändert sich langsam seine DNA – und er wird zum meistgejagten Wesen der Erde...

Es könnte Strombergs Bruder sein...

Der unbedarfte Angestellte Wikus, der langsam zum Alien mutiert, könnte ein Bruder von Stromberg sein: ein biederer Bürokrat, stets auf den eigenen Vorteil bedacht – wie der freundliche Rassist von nebenan. Die Aliens an seiner Seite sind vollständig computeranimiert, wirken aber verblüffend echt und fügen sich perfekt in die Umgebung ein.

Blomkamp kombiniert die knallharte soziale Realität seines Heimatlandes mit innovativen Fantasy-Elementen zu einer dreckig-düsteren Zukunftsvision – und liefert damit zugleich einen bitteren Kommentar zu den Themen Fremdenhass, Ausgrenzung und Unterdrückung. Der Film kommt anfangs im Gewand einer Dokumentation daher, verwandelt sich dann jedoch in ein etwas ermüdendes und ausuferndes Action-Spektakel, das indes visuell stets beeindruckend bleibt. Nach dem sensationellen Kassenerfolg in den USA dürfte eine Fortsetzung nicht lange auf sich warten lassen. (In München: Mathäser, Cinemaxx, Gabriel, Cinema OV.)

Marco Schmidt

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