Ukrainische Odyssee

- "Alle Schauspieler wären lieber Regisseure und umgekehrt, das ist eine Art Naturgesetz", hat der Schauspieler Mel Gibson einmal seinen Wechsel ins Regiefach erklärt. Allerdings ist nicht allen Schauspielern das notwendige Talent dazu gegeben, deswegen macht sich instinktiv eine gewisse Skepsis breit, wenn wieder einmal ein Schauspieler sein Regiedebüt ankündigt. Im Falle von Liev Schreiber ist jede Sorge unangebracht. Mit welcher Souveränität Schreiber den Roman "Alles ist erleuchtet" von Jonathan Safran Foer verfilmt hat, ist fast schon erschreckend.

Die Geschichte klingt zunächst nach Klischee, aber Schreiber vermeidet mit seiner punktgenauen Inszenierung jede Plattitüde. Alles kreist um den amerikanischen Juden Jonathan (Herr-der-Ringe-Star Elijah Wood), der sich als Bewahrer der Familiengeschichte versteht und unablässig nach den Wurzeln seiner Herkunft forscht. Seine Studien führen ihn schließlich bis in die Ukraine, wo er viel mehr finden wird, als er gesucht hat. Bemerkenswert unsentimental, wenn auch zutiefst warmherzig hat Schreiber diese Reise eines Menschen zu sich selber inszeniert. 

Lange Schatten der Geschichte

Elijah Wood spielt das mit angemessener Zurückhaltung. Völlig in sich versunken taumelt er durch ein fremdes Land, das er als Heimat für sich entdecken möchte. Und es dauert seine Zeit, bis Jonathan begreift, dass Heimat nichts mit einem bestimmten Flecken Erde zu tun hat, sondern mit Menschen, die sich begegnen. Der ihm das begreiflich macht, heißt Alex, und sein fantastischer Darsteller Eugene Hutz ist die wahre Entdeckung dieses Films. Jonathan trifft Alex auf seiner Odyssee und fortan ist Alex Begleiter, Mentor, Freund und Erzähler.

Ein leiser, kluger und dabei doch mitreißender Blick fällt auf die langen Schatten, die die Geschichte wirft. Was einmal war, bestimmt auf die eine oder andere Weise immer noch unser Leben, selbst wenn uns das gar nicht bewusst ist. Das beginnt damit, wo wir geboren sind, und endet mit dem Ort unseres Grabes. Selbstverständlichkeiten, die unser Dasein definieren und über die wir nicht die geringste Macht haben.

All das spricht Schreiber in diesem wundervollen Film an, ohne es zu zerreden. "Alles ist erleuchtet" ist nichts weniger als ein echtes Meisterwerk. Und Liev Schreiber war in Wahrheit immer schon Regisseur, auch wenn er es erst jetzt begriffen hat.

"Alles ist erleuchtet"

mit Elijah Wood, Eugene Hutz

Regie: Liev Schreiber

Hervorragend

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