Umstritten und preisgekrönt - Werner Schroeter

An den Lido war er gekommen, wie man ihn kennt, mit seinem schwarzen Hut, eine weiße Rose in der Hand. Mitgebracht für den 65. Wettbewerb um den Goldenen Löwen von Venedig hatte der deutsche Filmemacher und Theaterregisseur Werner Schroeter ein für ihn typisches Werk.

Das pathetische, opernhafte und mit einem gehörigen Schuss Symbolik angereicherte Bürgerkriegsmelodram "Nuit de Chien". , entspricht auch seinem Markenzeichen. Das war zwar auch für die Jury unter Wim Wenders so nicht preiswürdig. Doch der eigenwillige 63-Jährige aus dem thüringischen Georgenthal, der mit seinen vielfach ausgezeichneten Arbeiten immer wieder polarisiert, ging nicht mit leeren Händen nach Hause. Aus Venedig bringt Schroeter einen Spezial-Löwen für sein Gesamtwerk mit.

Der bekennende Homosexuelle Schroeter, früher eng mit Rosa von Praunheim befreundet, begann seine Karriere als Experimentalfilmer und machte dann von Ende der 1960er Jahre an mit seinen eigenwilligen Streifen vor allem im Fernsehen auf sich aufmerksam. Der Mann mit wechselndem Wohnsitz besticht danach im Kino mit "Neapolitanische Geschwister" (1978), für den er den Bundesfilmpreis abholen kann, und mit dem Gastarbeiterdrama "Palermo oder Wolfsburg", das im Jahr 1980 auf der Berlinale den Goldenen Bären erhält. Nicht zuletzt die französischen Kinobesessenen schätzen den Autorenfilmer, dessen Werke ein Kritiker einmal so auf den Nenner brachte: "Stundenlang nichts als Verzückung und Ekstase, nichts als Tod, Abschied, Liebeswahn, Verzweiflung". Das gilt auch für "Nuit de Chien."

Mit umstrittenen Klassiker-Inszenierungen und Regiearbeiten an deutschen und italienischen Opernhäusern verlässt der vielseitige Schroeter vor allem in den 1970er Jahren das Filmterrain. Seltener kommt ein neuer Schroeter-Film in die Kinos. Mit mehreren Deutschen Filmpreisen wird dann "Malina" (1991) mit Isabelle Huppert nach der Uraufführung in Cannes bedacht. Nach sechs Jahren Pause schloss der Regisseur, der ein Fachmann für Kamera und Schnitt ist und der auch schon mal schauspielert, mit "Nuit de Chien" ("Diese Nacht") seinen neuen Film ab. Und zeigt in der französisch-deutsch-portugiesischen Koproduktion mit Pascal Greggory seine ungebrochene Liebe zu allem Melodramatischen, zur Welt der Oper - und zum künstlerischen Pathos.

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