Unser Oscar

- "Wir wollen nicht im Zentrum des Deutsch-Ritterordens eine Koranschule gründen", beruhigte Helmut Dietl. Und Recht hat er: Um fundamentalistische Überzeugung, kulturelle Identität und Ähnliches geht es bei dem von Produzent Bernd Eichinger initiierten Projekt einer "Deutschen Filmakademie" tatsächlich am wenigsten. Aber was steckt dann hinter der "privaten Initiative" (Dietl), die jetzt auch die "grundsätzliche" Rückendeckung von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin genießt, der in München gemeinsam mit Eichinger, Dietl und anderen vom Stand der Dinge berichtete?

<P>Über 50 Filmschaffende, darunter Alexander Kluge, Dominik Graf und Wim Wenders, haben nun eine Erklärung unterschrieben, in der sie den Plan einer Oscar-Akademie nach US-Vorbild unterstützen. Sie soll künftig für Nominierung und Vergabe des Deutschen Filmpreises zuständig sein. Das Mehrheitsvotum von über 1000 Mitgliedern soll also die elfköpfige Jury aus Branchenvertretern und Politikern ablösen. Tatsächlich trifft Eichingers Kritik am Proporzmuff ins Schwarze: Er bringt im Ergebnis oft unbefriedigende Resultate. Die nun anvisierte Akademie würde aber die Abschaffung des Deutschen Filmpreises bedeuten, der mit 2,8 Millionen Euro höchstdotierten Kultur-Auszeichnung der Bundesrepublik, die ein Förderpreis ist - ganz im Gegensatz zum Oscar. </P><P>Auf Mainstream zugeschnitten, ignoriert der Filmpreis finanzielle Fehlschläge und das unabhängige Kino regelmäßig. Ähnliches wäre auch von einer deutschen Akademie zu befürchten: Bei über 1000 Stimmberechtigten hätten Minderheitsvoten keine Chance mehr. Worum es aber eigentlich geht, sind die 2,8 Millionen. Im Gegensatz zum Oscar soll der neue Filmpreis nämlich kein Ehrenpreis sein, sondern zwar branchenintern vergeben, aber mit Staatsgeldern bezahlt werden. Warum Nida-Rümelin dabei mitmacht, ist unklar. Zwar scheint es kaum möglich, den Filmpreis in alter Form zu retten. Auch wäre es ungerecht, in Eichinger nur den Wolf zu sehen, der Kreide gefressen hat, um Zugriff auf die Fördergelder zu erhalten. Doch durch die unausgegorene Initiative droht mehr: Der Staatspreis würde an politischer Bedeutung, der jede bisherige Jury verpflichtet war, verlieren - als ob Qualität je eine Frage von Mehrheitsentscheidungen sein kann. </P>

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