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Nicole Kidman begeistert in Sofia Coppolas neuem Film „Die Verführten“.

Regisseurin wird mit Retrospektive geehrt

Coppola zu „Die Verführten“: „Ich möchte keine Serie daraus machen“

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Beim Münchner Filmfest hat die US-Regisseurin Sofia Coppola ihr neues Werk „Die Verführten“ vorgestellt. Wir trafen sie zum Interview.

München - Sofia Coppola ist in der Stadt und hat einen Film dabei, der berührt, gruselt, zum Nachdenken bringt – vor allem aber zum Lachen. Sie sitzt Montagnachmittag im Bayerischen Hof, am Abend wird sie beim Filmfest ihren neuen Streich„Die Verführten“vorstellen. Gerade hat sie von ihrer Mutter eine SMS erhalten. Auch sie ist in München, gesehen haben sie sich vor lauter Interviews aber noch nicht. Eleanor Coppola stellt ihren ersten Spielfilm vor – und die Tochter wird mit einer Retrospektive geehrt. Ein Gespräch über frühen Erfolg und das ewige Spiel zwischen Männern und Frauen.

Welchem Genre würden Sie diesen Film zuordnen? Drama? Komödie? Thriller?

Sofia Coppola: Klar, das ist ein historischer Film, aber er hat Elemente von allem. Komödie, Drama, ein Mix. Genau das wollte ich.

Er erinnert an „The Virgine Suicides“, an Ihren ersten Film.

Coppola: Ja, auch die Frauen in „Die Verführten“ leben isoliert in einem Haus, und dann kommt ein Mann daher. Dieses Verhältnis zwischen Männern und Frauen interessiert mich immer. Darum habe ich versucht, ein paar Referenzen an meinen Erstling einzubauen.

Der Film ist die Adaption von Thomas P. Cullinans Roman. Naturgemäß mussten Sie Aspekte des Buches weglassen. Wie haben Sie entschieden, was bleibt und was nicht?

Coppola: Mir ging es vor allem um diese isolierten Frauen. Ich wollte die Realität und die Schrecken des Krieges etwas heraushalten. Es geht hier nicht um den Bürgerkrieg, sondern um die Kräfte, die da entstehen zwischen Männern und Frauen. Und dies angesichts von sexueller Unterdrückung, in der Hitze, in der Einsamkeit. Außerdem mag ich Geschichten von Frauen in verschiedenen Altersstufen und in unterschiedlichen Reifegraden – von zwölf bis Mitte 40. Wie interagieren sie, wie kommunizieren sie? Und wie verändert sich das alles, auch das Nonverbale, wenn ein Mann hinzukommt? So habe ich zum Beispiel auch die Sklavin der Buchvorlage herausgelassen. Das Thema Rassenpolitik ist zu wichtig, um es kurz als Nebengeschichte abzuhandeln.

Das Buch wurde schon einmal adaptiert. „Betrogen“ von Don Siegel ist eine Männerfantasie, die zum Albtraum wird. Hatten Sie den Film vor Augen?

Coppola: Ich habe versucht, ihn auszublenden und mich mehr auf das Buch zu fokussieren. Der Film war eher aus der Perspektive des Mannes erzählt. Ich wollte alles aus Perspektive der Frauen schildern. Bei Siegel wurde man durch das Verlangen verrückt, ich wollte alles menschlicher machen.

Ihr Film ist eindeutig witziger als Don Siegels Werk. Wie gelingt Ihnen diese feine Ironie?

Coppola: Ich finde, dieser Humor steckt schon im Buch. Diese Geheimniskrämerei zwischen den Frauen: Ich habe es genossen, damit zu spielen – und auch die Balance zu halten zwischen gefühlvoll, dramatisch und komisch. Da steckt so viel unter der Oberfläche. Depression, Schwermut. Und dann dieses Hin und Her zwischen Verführen und Verführt werden, das schon im Titel liegt. Mal hat er die Macht, dann gewinnen die Frauen wieder die Oberhand. Ich wollte das Buch nicht nacherzählen, sondern etwas Eigenes schaffen.

Die meisten Filme werden aus männlicher Perspektive erzählt. Gibt es da noch welche, die Sie gern aus der weiblichen Sicht aufrollen würden?

Coppola: Nein, nein. Ich möchte keine Serie daraus machen. (Lacht.)

Sie arbeiten mit Kinderdarstellern. Wie haben Sie diese Gruppendynamik, die eine große Rolle im Film spielt, zwischen den Kindern hergestellt?

Coppola: Wir haben vor Drehstart eine Woche miteinander verbracht. Da haben die Kinder gelernt, wie man zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs gelebt hat, wie etwa die Kleider- und Verhaltensregeln waren. Sie haben Tanzstunden bekommen, haben gemeinsam gekocht, gespielt, damit sie sich dann beim Drehen wie eine eingespielte Gruppe verhalten. Die kleineren Mädchen schlossen schnell Freundschaft. Das hat gut geklappt.

Sie haben als Mädchen in den Filmen Ihres Vaters gespielt. Haben Sie erwogen, Ihre Töchter in einem Ihrer Filme zu besetzen?

Coppola: Nein, ich möchte es meinen Kindern selbst überlassen, ob sie zum Film wollen.

Aber Sie haben mit Ihrem Mann zusammengearbeitet beim neuen Film.

Coppola: Ja, das ist etwas anderes für mich. (Lacht.) Er hat die Musik gemacht. Ich habe mich mit ihm ausgetauscht wie mit jedem anderen Komponisten. Ich gab ihm Szenen, und er versuchte, das Passende zu erschaffen. Mir war wichtig, die Musik nur sehr zurückhaltend einzusetzen, damit man das Zirpen hört – und die Kanonen im Hintergrund.

Redakteurin Katja Kraft mit Regisseurin Sofia Coppola (li.).

Irgendwann gewöhnt man sich so sehr an diese Geräuschkulisse wie die Figuren im Film.

Coppola: Genau das wollte ich bewirken. Diese Mädchen leben seit Jahren in dieser Situation, sie ist zum Alltag geworden. Und damit langweilig.

Sie sind noch jung und erhalten schon eine Retrospektive – fühlt sich das nicht schräg an?

Coppola: Ja, ich hatte erst gar nicht realisiert, dass mir in München eine ganze Retrospektive gewidmet wird. Das freut mich sehr. Ich war schon so aufgeregt, dass sie „The Virgin Suicides“ spielen. Als der Film herauskam, haben ihn nicht so viele gesehen, deshalb freue ich mich, dass alle nun Gelegenheit dazu haben. Ich denke, ich kann mich jetzt bereit für die Rente machen.

Bitte nicht!

Coppola: Nein, keine Sorge!

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