Der Vamp trägt Leder

- Ein schöner Auftakt: Selene (Kate Beckinsale), eine junge Vampirin, steht für einige lange Sekunden auf dem Dach eines Hochhauses, blickt in Wind und Regen auf eine nächtlich belebte Straße und liefert als Erzählerin aus dem Off die ersten Handlungshintergründe. Dann springt sie hinab in die Straßenschlucht und beginnt eine tödliche Jagd, die sie noch tiefer in die Unterwelt der U-Bahn- und Kanalisationsschächte führt. Dunkle Pracht beherrscht die Szene. Styling und Look sind nahezu alles in diesem wunderbar fotografierten Film. Es geht um Kostüme, Kulissen, Effekte, um die metallisch-monochromen Bilder, die schwerelos-dynamischen Bewegungen der Personen, um Blicke, Stimmen, Geräusche, Musik.

<P>Der Plot ist simpel: Auf der Nachtseite der Welt hausen Vampire und Werwölfe. Seit Jahrtausenden führen sie einen Vernichtungskrieg gegeneinander. Eines Tages kommt Seline einer tödlichen Gefahr für die Vampire auf die Spur. Hier setzt "Underworld", das Regiedebüt des Produktiondesigners Len Wiseman, ein. Originell bedient er sich aus dem Arsenal urbaner Subkulturen, der Videokunst und des Pop. Zudem wirkt der Film wie eine Kreuzung aus "Matrix" und "Batman". </P><P>Der Ort mit seinen regennassen Strassen, der klassischen Hochhaus-Architektur und ihrem mysteriösen Licht-und-Schattenspiel heißt eigentlich Gotham-City. Die Vampire fahren Porsche, tragen modische Lederkleidung und hausen in Schlössern mit antikem Mobiliar. Überhaupt erinnern sie im Unterschied zu den proletarischen Werwölfen an eine degenerierte Aristokratensippe: Wiseman knüpft an die Ursprünge der modernen Vampirstoffe im Fin de Siècle an und bewegt sich weit weg von Verortungen des Vampirismus im modernen Alltag à la "Buffy". So bringt dieser Post-Tolkin-Blockbuster in Erinnerung, was die Vampir-Fantasie jenseits seines üblichen Gebrauchs immer vor allem gewesen ist: Drama über die Nachtseite der Welt, Grenzüberschreitung, die spielerische Inszenierung von verborgenem Begehren. In erster Linie aber ist dieser Film reizvoll anzusehen und macht schlicht und einfach Spaß. (In München: Mathäser, Maxx, Gabriel, Cinema i. O.)</P><P>"Underworld"<BR>mit Kate Beckinsale, Michael Sheen<BR>Regie: Len Wiseman<BR>Sehenswert </P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coppola zu „Die Verführten“: „Ich möchte keine Serie daraus machen“
Beim Münchner Filmfest hat die US-Regisseurin Sofia Coppola ihr neues Werk „Die Verführten“ vorgestellt. Wir trafen sie zum Interview.
Coppola zu „Die Verführten“: „Ich möchte keine Serie daraus machen“

Kommentare