Venedig ehrt Tim Burton mit Ehrenlöwen

Venedig - Anerkennung für einen "Magier des Films": Mit dem Goldenen Löwen für sein bisheriges Lebenswerk ehrt das 64. Filmfestival in Venedig den US-Regisseur Tim Burton.

Festivaldirektor Marco Müller bezeichnete den erst 49-jährigen Künstler, der Blockbuster wie "Batman" und "Planet der Affen" drehte, als Symbol einer "neuen Ära der Filmkunst". Burton sei "einer der wenigen Genies in der gegenwärtigen Fabrik der Bilder". Die offizielle Preisverleihung stand am Mittwochabend auf dem Programm. Zum Abschluss des Festivals am Samstag wird noch ein weiterer Künstler einen Ehrenlöwen erhalten - der italienische Starregisseur Bernardo Bertolucci ("Der letzte Kaiser").

Der aus Kalifornien stammende Burton, der zunächst als Trickfilmzeichner in den Walt-Disney-Studios arbeitete, gilt als Regisseur einer neuen Generation, die Trickfilm und Animation mit traditioneller Filmkunst vereinigen. Zu seinen schönsten Werke zählt das melancholische Puppendrama "Hochzeit für eine Leiche" (2005), zu seinen größten Blockbustern gehört auch "Mars Attacks!" (1996).

Ein klarer Favorit für den Goldenen Löwen des diesjährigen Festivals hat sich am Lido allerdings noch immer nicht gefunden. Italienische Kritiker lobten vor allem "I'm Not There" von US- Regisseur Todd Haynes (mit Richard Gere, Heath Ledger, Cate Blanchett, Charlotte Gainsbourg) über das Leben von Bob Dylan. "Der Film hat alles, was ein Festivalsieger braucht", schrieb die römische Zeitung "La Repubblica". Das wandlungsfähige Musikergenie Dylan wird darin von insgesamt sieben verschiedenen Schauspielern dargestellt, unter anderem der superb aufspielenden Cate Blanchett.

Auf Interesse fiel auch "Sukiyaki Western Django" des japanischen Regisseurs Miike Takashi - eine Art Spaghetti-Western in Fernost, in dem die Häuser der "Westernstädte" pagodenartig geschwungene Dächer haben und die Revolverhelden mit Stäbchen essen. Die Hauptrolle spielt Quentin Tarantino, gesprochen wird in dem japanischen Streifen Englisch.

Dagegen nehmen deutsche Regisseure in Venedig lediglich in Nebenreihen teil. "Staub" heißt der Dokumentarfilm von Hartmut Bitomsky. Bitomsky, der die Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin leitet, nähert sich dabei eher gemächlich und langatmig "dem Phänomen Staub". Regissur Andreas Kleinert präsentiert "Freischwimmer" mit Frederick Lau, August Diehl und Fritzi Haberlandt, eine Ko-Produktion des WDR. In der "schwarzen Tragikkomödie" geht es um einen von den Mitschülern ausgestoßenen schwerhörigen Jungen, der sich mit seinem Deutschlehrer anfreundet, eine Mischung aus Kleinstadt-Melodrama und Psycho-Krimi.

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