Verbrechen und Missgeschick

- Ein Mann fährt nachts im Auto nach Hause. Man spürt, dass es kein wirklich guter Tag war für ihn, und er wird nicht besser werden in den nächsten Minuten. Es ist Punkt 11.14 Uhr, da fällt etwas auf sein Auto, eine Leiche. Ehe er überhaupt entscheiden kann, was er am besten tun soll, wie er - angetrunken fahrend - den Eindruck zerstreuen kann, am Tod der Person Schuld zu haben, hält ein anderes Auto, dessen Fahrerin, einen Wildunfall vermutend, die Polizei anruft.

Die bizarre Komik dieser Szene liegt nicht zuletzt im sich ständig steigernden Missgeschick. Dies alles ist nur die schrille Exposition für eine noch schrillere Geschichte: "11:14", der Titel von Greg Marcks' Regiedebüt, verweist auf die Minute, die für fünf Parallelhandlungen zum Schicksalsaugenblick werden wird: Drei pubertierende Volldeppen fahren vollgedröhnt bis zum bitteren Ende mit dem Auto durch die Stadt. Eine Tankstellenbedienung täuscht mit ihrem Freund einen Überfall vor. Ein Vater vertuscht einen Mord, für den er seine Tochter verantwortlich glaubt, und diese Tochter erpresst zwei junge Männer mit einer vorgetäuschten Schwangerschaft. Dieser Typus des Mosaikfilms, den man für ein Phänomen der 90er-Jahre gehalten hatte, kommt wieder etwas in Mode. Auf den zweiten Blick ist das komplizierte Verfahren allerdings ein Taschenspielertrick, der Bedeutung vortäuscht. Immerhin besticht der Film durch seine Darsteller Hilary Swank, Barbara Hershey und Patrick Swayze. Den besten Auftritt liefert aber Rachel Leigh Cook als bauernschlaue Kleinstadt-Lolita. Am ehesten lässt sich "11:14" als etwas zynischer Film über das Grauen der Provinz wertschätzen.

(In München: Mathäser, Marmorhaus, Inselkinos.)

"11:14"

mit Hilary Swank, Colin Hanks

Regie: Greg Marcks

Erträglich

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