Verbrechen zahlt sich aus

- Dick kann auch anders. Immer hat er getan, was man von ihm verlangt hat, hat daran geglaubt, dass sich harte Arbeit bezahlt macht. Und dann das: Sein Chef (Alec Baldwin mit einem wunderbar schmierigem Gastauftritt) treibt die Firma vorsätzlich in die Pleite, nicht ohne sich mit Hunderten von Millionen Dollar aus dem Staub zu machen. Eine gehässige Anspielung auf die Betrügereien bei den Insolvenzen großer US-Konzerne.

Dick steht auf der Straße und hat ein gewaltiges Problem: Er hat fröhlich auf Pump über seine Verhältnisse gelebt. Sein Häuschen und all die schönen Sachen darin sind in Gefahr. Denn auch im Kapitalismus neoliberaler Prägung bleibt es dabei: Was man nicht bezahlt hat, gehört einem nicht. Als eines Tages selbst sein Rasen aus dem Vorgarten wieder ausgegraben wird, platzt ihm der Kragen.

Wenn sich die Großen nicht an Spielregeln halten und die Gesellschaft Anstand nicht honoriert, will er auch nicht mehr den Dummen geben. Also beschließt er, sich zu holen, was er braucht, und überfällt so ungefähr jeden Laden, an dem er vorbei läuft. Der notorisch unterschätzte Jim Carrey spielt den Amok laufenden Otto Normalverbraucher mit einer gekonnten Mischung aus Aggressivität, Unbeholfenheit und Selbstironie.

Regisseur Dean Parisot weidet sich mit sichtbarem Spaß an der anarchischen Grundidee: alle Regeln zu missachten, einfach zu tun, wozu man Lust hat. Selbst Dicks Ehefrau Jane (die wunderbare Téa Leoni), die anfangs noch als moralische Bremse fungierte, gewinnt nach und nach Geschmack an der kriminellen Lebensweise. Mit kindlicher Freude denken sich die beiden immer groteskere Verkleidungen aus und sind irgendwann nicht einmal in der Lage, im Coffee-Shop einfach in Frieden einen Kaffee zu trinken - auch der wird überfallen, selbst wenn nur Heißgetränke erbeutet werden.

Eine überdrehte Farce mit subversiver Sprengkraft. Dass die beiden Hobby-Gangster letztlich beschließen, die Beute gerecht umzuverteilen und nicht alles zu behalten, ist dabei keineswegs der Versuch, ein Happy-End zu finden, sondern der hinterhältigste Einfall. Irgendetwas stimmt nicht in Präsident Bushs "Gesellschaft der Eigentümer" - das ist die Botschaft. Und ein Ausweg wird angedeutet: Erst als Dick und Jane sich von ihrem Konsumwahn lösen, finden sie zu sich.

"Dick & Jane"

mit Téa Leoni, Jim Carrey

Regie: Dean Parisot

Sehenswert

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