Vergärtes Konzentrat

- Das Ende der Erde ist kein Weltuntergang. Das wissen Millionen Fans von "Per Anhalter durch die Galaxis" - nach Auskunft des Autors Douglas Adams die einzige "fünfteilige Romantrilogie" der Literaturgeschichte. In den geradezu kultisch verehrten Büchern schilderte der Brite Adams seit 1979 humorvoll das Schicksal des Durchschnittsversagers Arthur Dent, der eines Tages erst erfährt, dass sein Nachbar Ford ein Außerirdischer ist und gleich anschließend, dass die Erde leider einer intergalaktischen Umgehungsstraße weichen muss.

Also schlagen sich die beiden als Tramper durchs Weltall und stellen dabei immer wieder fest, dass es in der Unendlichkeit alles Mögliche, aber kein intelligentes Leben gibt. Allerlei organische Existenzen sehr wohl, und die werden mit bissiger Präzision als Zerrspiegel der menschlichen Zivilisation gezeigt. <BR><BR>Bis zu seinem Tod im Jahr 2001 hat Adams an einer Kinoversion seiner Bücher gearbeitet, aber erst jetzt legt Regisseur Garth Jennings den fertigen Film vor. Und er meistert die Aufgabe, aus Büchern, die für ihren Wortwitz und ihre absurden Gedankensprünge berühmt sind, einen halbwegs zusammenhängenden Film zu destillieren. Das allerdings ist in gewisser Hinsicht auch das Problem. Auch wenn der Film durchgehend unterhaltsam ist, gibt er die Geschichte nur als vergärtes Konzentrat wieder. Nun ist es ebenso beliebt wie banal, bei jeder Literaturverfilmung darüber zu lamentieren, dass der Film das Buch nicht adäquat wiedergeben kann. <BR><BR>Aber in diesem Fall ist es wirklich einmal so, weil Adams ein begnadeter Erzähler im klassischen Sinne war. Als postmoderner Märchenonkel hat er eine ganze Generation mit Humor und Charme über den tristen Alltag hinweg getröstet. Das versucht der Film natürlich auch, aber Adams ausgeklügeltes Gedankenkonstrukt, das halb alberne, halb philosophische Dahinfabulieren, ist filmisch kaum zu fassen. <BR><BR>Jennings versucht das mit technischen Spielereien und sympathischen Hauptdarstellern (Martin Freeman und Mos Def) zu kompensieren, aber letztlich gerät "Per Anhalter durch die Galaxis" eher zu einer amüsanten Mahnung, wieder zu den Büchern zu greifen, als zu einem eigenständigen Film. Nur dort steht die Antwort auf alle Fragen des Lebens. Sie lautet übrigens 42. <BR><BR>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Atlantis i.O., Autokino, Cinema i. O., Gabriel.)<BR><BR>"Per Anhalter durch die Galaxis"<BR>mit Mos Def, Martin Freeman<BR>Regie: Garth Jennings<BR>Annehmbar

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