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Liebeswirren: Penélope Cruz als Maria Elena und Scarlett Johansson, die Cristina spielt.

Film der Woche

Verliebt in Spanien

Zurück zu alter Stärke: Woody Allens neue Sommernachts-Sex-Komödie "Vicky Cristina Barcelona".

Zwei oder drei Frauen und ein Mann - ist eine bessere Kombination denkbar fürs Kino? Zumal, wenn diese Frauen von Penélope Cruz und Scarlett Johansson gespielt werden, die dritte von Rebecca Hall und der Mann von Oscargewinner Javier Bardem? "Vicky Cristina Barcelona" heißt der neue Film von Woody Allen überaus präzise, denn er handelt von Vicky und Cristina, zwei lebensfrohen US-Girls, und der katalanischen Metropole Barcelona.

Beide sind ziemlich unterschiedlich: Während Vicky (Hall) ganz rational, gradlinig und zauberhaft realistisch ist und daher schon mit einem erfolgreichen Langweiler verlobt, ist Cristina (Johansson) idealistisch, emotional und nervig tiefromantisch. Als die Mädchen dem erstbesten Latin Lover über den Weg laufen, der Juan heißt, verfällt Cristina seinen eindeutigen Avancen - während Vicky mit ihm einfach ins Bett geht.

Eine Weile plätschert der Sommer von Barcelona frivol-fröhlich dahin, mit üblichem Wortwitz und mitunter als bissige Gesellschaftssatire. Doch den Höhepunkt erreicht der Film erst, als Juans Ex-Frau Maria Elena auftaucht, nach wie vor seine wahre Liebe. Sie ist psychisch gestört und hat bereits einen Mordanschlag auf ihren Ex verübt: eine Traumrolle für Penélope Cruz. Ihre Figur ist das Öl in jenem Feuer, das zwischen Vicky, Cristina und Juan glimmt.

Woody Allen ist mit "Vicky Cristina Barcelona" nicht nur seine beste Produktion seit längerer Zeit gelungen, eine neue Sommernachts-Sex-Komödie, sondern auch eine subtil hochpolitische Arbeit: Seine romantische Komödie bricht alle Tabus des gegenwärtigen Hollywood-Kinos und veralbert den Puritanismus der Amerikaner: Sex zwischen Frauen oder zu dritt kann schön sein, die wahre Liebe gibt es nicht, das sind Allens beiläufig vermittelte Botschaften. Dabei ist sein Film auch reich an historischen und literarischen Referenzen: Allen zeigt die klassische emotionale Reise seiner Figuren, die aus dem Nordwesten stammen und im Süden eine hitzigere Seite ihrer selbst entdecken: Laurence Sterne oder Henry James haben solche Erfahrungen zur Weltliteratur gemacht.

Es geht auch um das transatlantische Verhältnis und dessen Klischees. Das Spiel mit diesen gelingt Allen wunderbar: Sein Spanien-Bild ist etwa so realistisch wie Bizets Oper "Carmen". Es verkommt aber nicht zu Disneyland, sondern ist eher idealisierte Postkarte. Am europäischen Wesen sollen, das macht Woody Allen klar, die USA genesen.

"Vicky Cristina Barcelona"

mit Javier Bardem, Patricia Clarkson, Rebecca Hall

Regie: Woody Allen

Hervorragend

Rüdiger Suchsland

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