Verliebt in die unnahbare Exotik

- Liebe wider jede Vernunft. Alles verschlingend, alles auslöschend, was sich ihr an Bedenken und Alltag in den Weg stellt. Das Thema ist quasi fürs Kino gemacht und nicht fürs Leben. Denn in Wirklichkeit sieht diese ganz große Liebe auf den ersten Blick bald ebenso abgegriffen aus wie jede andere auch.

Diese Erfahrung musste auch die 1960 geborene Schweizerin Corinne Hofmann machen. Hals über Kopf verknallt sie sich beim Kenia-Urlaub mit dem Verlobten in einen ebenholzfarbigen Massai-Krieger. Von dessen unnahbarer Exotik fasziniert, lässt sie den Freund allein zurückfliegen und folgt dem Massai in den ostafrikanischen Busch. Weder Autopannen noch Traditionen oder gar Malaria halten sie davon ab.

Doch das karge Dasein in der Steppe, das Wohnen in der Lehmhütte zwischen Ziegen und Kühen, die harte Arbeit und die für eine Europäerin nicht nur unter hygienischen Aspekten unerträglichen Lebensverhältnisse erträgt Corinne Hofmann nur wenige Jahre. Nicht lange nach der Geburt der gemeinsamen Tochter sucht sie das Heil in der Flucht. Seitdem schreibt sie Bücher über ihre Zeit an der Seite des Kenianers.

Der erste Band ihrer zur Trilogie angewachsenen Memoiren, "Die weiße Massai", wurde von Regisseurin Hermine Huntgeburth verfilmt. Jetzt heißt Corinne Carola, ihr Objekt der Begierde nicht mehr Lketinga sondern Lemalian. Gespielt werden beide von Nina Hoss und Jacky Ido, und die sehr treffend besetzten Darsteller bemühen sich redlich, gegen die Klischees anzuspielen, die ihnen die Romanvorlage aufzwingt. Während im gleichnamigen Buch nämlich eine ermüdende und ungute Schwarzweißmalerei vorherrscht, müht sich Huntgeburth in ihrer Inszenierung um Ausgewogenheit.

So zeigt sie das Hütttendorf von Lemalians Stamm, den Samburu, nur anfangs aus den Augen der erstaunten Carola. Später versucht die Regisseurin, das Verhalten von Lemalian und seinen Mannen zu erklären: wenn etwa aus beiden Perspektiven das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Geschlechterrollen gezeigt wird und nicht nur der machohafte Grobian Lemalian zu sehen ist, sondern auch die verkrampfte und meckernde Carola am Lagerfeuer, die eine ungenießbare Suppe zubereitet.

Üblicherweise sind Literaturverfilmungen schlechter oder maximal ebenso gut wie die Vorlage. Hier ist es anders: Der Film übertrifft mit seinen fein ausgearbeiteten Nuancen und geglätteten Dialogen die etwas groben Erinnerungen Hofmanns bei weitem. Von den grandiosen Landschaftsaufnahmen mal abgesehen.

"Die weiße Massai"

mit Nina Hoss, Jacky Ido

Regie: Hermine Huntgeburth

Sehenswert

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