Die verlorene Tochter

- Familienfeste können eine eigene Dynamik gewinnen. Unzählige Filme handeln davon, was schief gehen kann, wenn sich die Verwandten in Geselligkeit üben. Nicht immer geht es ans Eingemachte wie in Thomas Vinterbergs "Das Fest". Aber ohne Zank, Tränen und verschmähter Liebe läuft es nie ab. Auch nicht in "Zurück nach Dalarna!", dem Debütfilm der schwedischen Regisseurin Maria Blom. Zu tief sind die innerfamiliären Verletzungen, zu kalt der Neid der Geschwister.

Computerspezialistin Mia (Sofia Helin) aus Stockholm fährt nach langer Zeit wieder nach Hause in die schwedische Provinz. Dort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Von dem Moment an, in dem die erfolgreiche Frau aus der Großstadt die Schwelle ihres Elternhauses übertreten hat, wird sie nur noch als unmündiges Nesthäkchen behandelt. Die Eltern vergöttern Mia, die Schwestern Eivor und Gunilla verfolgen sie mit seit Jahrzehnten gepflegter Eifersucht. Auch sonst hat sich nicht viel geändert: Die Nachbarn lästern über jeden, der Dorfschürzenjäger steigt immer noch jeder hinterher, und der größte Besserwisser des Ortes gibt ungefragt seine Meinung zum Besten. Doch während Mia beschließt, die Geburtstagsfeier des Vaters nur mit viel alkoholischen Getränken überstehen zu können, passiert einiges . . .

"Zurück nach Dalarna!" ist eine geschickt arrangierte Tragikomödie. Rund um die Heimkehr der verlorenen Tochter inszeniert Maria Blom pointierte Szenen voll skurriler Komik oder beißendem Sarkasmus, um im nächsten Augenblick herzergreifend sentimental zu werden. Wirklich unbekannt ist ihr Thema nicht, aber Blom belebt die familiären Streitigkeiten und die in diesem Genre obligatorische schmerzhafte Lebensinventur auf unterhaltsame Weise neu.

Insgesamt bleibt sie im Gegensatz zu Vinterberg aber spöttisch-mild und wird nie sezierend-denunzierend. Bei allen Konflikten schwingt ein versöhnlicher Grundton mit. Sogar die Hinterwäldler aus Dalarna kommen trotz aller Tölpelhaftigkeit recht gut weg. Eigentlich kein Wunder, schließlich ist die Regisseurin vor kurzem von Stockholm ins malerische Dalarna gezogen. (In München: Atelier, Monopol, Theatiner i.O.)

"Zurück nach Dalarna!"

mit Sofia Helin, Kajsa Ernst

Regie: Maria Blom

Sehenswert

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Star Wars: Episode VIII“: So lautet der offizielle Titel
Los Angeles - Der achte, reguläre Teil des Weltraumabenteuers „Star Wars: Episode VIII“ soll im Dezember 2017 anlaufen. Bereits jetzt hat Disney den Titel des Films …
„Star Wars: Episode VIII“: So lautet der offizielle Titel
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos

Kommentare