Ein verlorener Engel

- Der Profikiller Viktor (Joachim Król) führt ein exakt kalkuliertes, hermetisch von der Außenwelt abgeschlossenes Dasein. Als er sich aber in die geheimnisvolle Nina verliebt, gerät sein effizient geregeltes Leben völlig aus den Fugen. Nadja Uhl spielt diese mysteriöse Nina, die Mennan Yapos ungewöhnlich artifiziellem Thriller "Lautlos" erst Leben einhaucht. Kino-Start ist morgen.

<P>Wie würden Sie die Figur der Nina charakterisieren?<BR><BR>Uhl: Sie ist die am schlechtesten greifbare Figur des Films. Eine Art verlorener Engel. Dieses Schwebende, Nicht-auf-der-Erde-Sein, das ist etwas, was ich gar nicht habe. Schon deshalb fiel es mir schwer, das zu verstehen und glaubwürdig zu spielen. Nina wird durch den zum Leben erweckt, der allen anderen den Tod bringt. Die beiden küssen sich sozusagen wach. Das Kalte, Abstrakte von Nina fand ich faszinierend.<BR><BR>Die Figuren, die Sie in "Scherbentanz" oder "Die Stille nach dem Schuss" gespielt hatten, waren stets sehr emotionale Frauentypen.<BR><BR>Uhl: Genau das war es, was mich an "Lautlos" so angezogen hat: Ich bin ein totaler Bauchmensch und definiere meine Figuren eigentlich immer über Gefühle. Mennan Yapo wollte aber, dass ich auf eine sehr kühle, fast schon mathematische Sicht an den Part der Nina herangehe. Erst hat mich das ein wenig verunsichert, aber letztlich war es doch eine ganz unglaubliche Erfahrung.<BR><BR>Was hat Sie an der Rolle der Nina gereizt?<BR><BR>Uhl: Es ist so langweilig, wenn Schauspieler auf diese Frage sagen: Es hat mich berührt. Aber irgendwie ist es immer die Wahrheit. Wie jedem Menschen beim Lesen eines Romans geht es mir auch bei der Lektüre des Drehbuchs. Es gibt Dinge, die lassen einen völlig kalt, und andere berühren einen stark - auch wenn man sich das nicht sofort erklären kann.<BR><BR>Das Drehbuch ist extrem stilisiert, und manche Dialoge sind arg intellektuell-verschwurbelt . . .<BR><BR>Uhl: Das Lesen ist mir anfangs eher schwer gefallen. Die Dialoge sind sehr anspruchsvoll, und das Drehbuch ist kompliziert aufgebaut. Während ich es zum ersten Mal las, habe ich mir immer überlegt, ob ich es mag oder nicht. Solche Dialoge und Szenen können schnell ins Lächerliche kippen, wenn das Buch bei der Inszenierung nicht in guten Händen ist. Aber beim ersten Treffen mit Mennan Yapo war ich mir sicher: Das wird klappen.<BR><BR>Ihre Filme waren bisher alle niveauvoll und sorgsam ausgewählt.<BR>Uhl: Kommerziell waren sie aber meist nicht sehr erfolgreich (lacht).<BR><BR>Bis auf Schlöndorffs "Die Stille nach dem Schuss".<BR><BR>Uhl: Ja, dieser Film war ein einziges Aha-Erlebnis für mich. Dass man ein tolles Drehbuch mit einer leidenschaftlichen Arbeit verbinden kann, dass man damit noch Erfolg haben kann, das war mir vorher eher fremd. Ansonsten habe ich meist in Filmen mitgespielt, die extreme Geschmackssache waren wie "Scherbentanz".<BR><BR>Der kleine, feine Kunstfilm ist stets dem großen Kassenknüller vorzuziehen?<BR><BR>Uhl: So möchte ich das nicht stehen lassen. Ich sage ja nicht: Ich mache gerne Filme am Publikum vorbei. Im Gegenteil. Ich will gesehen werden und freue mich über den Erfolg, den zum Beispiel der TV-Film "Das Wunder von Lengede" hatte. Der größte kommerzielle Erfolg, den ich je gedreht habe, war allerdings der holländische "Twin Sisters". Er hat auch eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Streifen erhalten. In Deutschland kommt er im Herbst ins Kino.</P><P>Das Gespräch führte Ulrike Frick<BR></P>

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