Verlorener mürrischer Sohn

München - Nichts hat sich verändert. Antoine, ein ewig missgelaunter Aushilfskellner, kehrt in das provenzalische Heimatdorf zurück, das er vor vielen Jahren im Streit mit den Eltern verließ. Nun liegt der Vater im Sterben, und die Mutter beordert den einzigen Nachkommen nach Hause, um den Gemischtwarenladen der Familie weiterzuführen.

Die Heimkehr des verlorenen Sohns gestaltet sich in Eric Guirados sanft melancholischer Komödie "Der fliegende Händler" anders als in der Bibel. Widerwillig passt sich Antoine dem altbekannten Rhythmus der Provinz wieder an und übernimmt die Verpflichtungen des siechen Papas.

Natürlich bleibt das nicht so, und schließlich wird Antoine das Landleben, das ja auch einmal sein eigenes war, wieder neu zu schätzen wissen. Doch bis dahin trägt die Hauptfigur schwer an ihrer Übellaunigkeit und der Zuschauer mit ihr. Man muss Guirado großen Mut attestieren, dass er sein Debüt rund um einen derart mürrischen Charakter gewunden hat.

Doch da Antoine sich zu wenig entwickelt und alle Ereignisse, die ihn zu einem anderen Menschen werden lassen, nur von außen herangetragen und behauptet werden, lässt einen die Geschichte dieses ewig unzufriedenen Mannes letztlich kalt. Zwar findet Guirado schöne Momente, um den Stadt-Land-Gegensatz zu illustrieren. Doch die Konflikte sind zu wenig deutlich herausgearbeitet. Überdies lässt die Regie die Schauspieler, meist Laiendarsteller, zu oft alleine. (In München: Cinema OV, Theatiner OV, Eldorado.) ulf

"Der fliegende Händler"

mit Nicolas Cazalé, Clotilde Hesme

Regie: Eric Guirado

Annehmbar 

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