Die Versuchung war zu groß

"Die Hochstapler": - Goethe meinte einmal, dass niemand jemals betrogen werde: Man betrüge sich immer selbst. Nun ist nicht bekannt, ob die vier rechtskräftig verurteilten Betrüger Torsten S., Mark Z., Peter G., und Jürgen H. dieses Zitat kennen. Aber sie bekräftigen zumindest die Aussage des Dichterfürsten. Ziemlich alle verurteilten Verbrecher versuchen ja, ihre Taten zu rechtfertigen oder zu relativieren.

Aber diese Hochstapler haben es dabei wirklich leicht. Fast schon bestürzend leicht wurde es ihnen gemacht, Millionenbeträge zu veruntreuen. Und je mehr Geld die Opfer hatten, desto einfacher war dies.

Der Münchner Alexander Adolph hat sich die Zeit genommen, mit seiner Dokumentation einen Blick hinter Gerichtsprozesse zu werfen und die Menschen hinter den Hochstapler-Masken zu entdecken. Die Mühe lohnt. Adolph lässt die Männer reden und reden. Anfangs gibt es noch die üblichen Ausreden, aber nach und nach kommen verletzliche Charaktere zum Vorschein, die einem in ihrer Unsicherheit sympathisch werden.

Natürlich entschuldigt das nicht, was sie getan haben, aber man beginnt zu verstehen, dass die Versuchung zu groß war. Die Gier nach Geld macht die Menschen zu leichter Beute. Man ertappt sich dabei, dass man den Vieren selbst auf den Leim gehen könnte. Ein subversiver Blick auf das Wesen des Betrugs: die Sehnsucht danach, belogen zu werden. Goethe hatte Recht. (In München: Atelier, Monopol, Arena.)

"Die Hochstapler"

Regie: Alexander Adolph

Hervorragend *****

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