Die Vertretung des Schöpfers

- Irgendwann hat Gott genug von Bruce (Jim Carrey). Obwohl Bruce nämlich ein gutes Leben führt, mit einer wunderbaren Frau (Jennifer Aniston) zusammenlebt und als Fernsehreporter Erfolg hat, ist er ständig unzufrieden. Alles könnte noch schöner sein, findet er. Die tief sitzende Frustration über ein vermeintlich mittelmäßiges Schicksal nagt so lange an ihm, bis er eines Tages während der Arbeit ausrastet und entlassen wird.

<P>Schuld daran soll - wie immer - Gott sein, den Bruce in einer schier endlosen Suada lästert. Das lässt der Herr nicht auf sich sitzen und bietet Bruce ein Geschäft an: Wenn Bruce alles besser weiß als Gott, soll er es auch besser machen und die Geschäfte des Schöpfers führen, während der seinen Urlaub nimmt. Mit göttlicher Allmacht ausgestattet, tut Bruce, was wir alle tun würden - das Falsche. Und hier setzt die Komik des Films ein.</P><P>Bruce denkt selbstverständlich nur an sich und pfuscht bedenkenlos in seinem und im Leben anderer herum, bis heilloses Chaos herrscht. Und obwohl er sich alle Wünsche erfüllt, wird er nicht recht glücklich. Jim Carrey führt sich dabei so ausgelassen auf wie ein Kleinkind, das aus Versehen über Nacht im Spielzeugladen eingesperrt wurde. Seine einzigartige Gesichtsakrobatik und Körperbeherrschung trösten über manchen platten Gag und gelegentliche geschmackliche Entgleisungen hinweg.</P><P>Carrey zuzusehen, macht durchaus Spaß. Und immer wenn der erkennbare Anspruch, tiefgründige Weisheiten zu verbreiten, in peinliches Erbauungsgebrabbel auszuarten droht, rettet der notorisch unterschätzte Carrey den Film, indem er diesen belehrenden Tonfall durch seine anarchischen Clownereien ironisiert.</P><P>Die Balance zu halten zwischen Klamauk und einer nachdenklichen Abhandlung über den moralischen Kompass, den wir alle in uns tragen, nach dem wir uns aber nicht mehr richten, gelingt Regisseur Tom Shadyac nur dann, wenn er Morgan Freeman als Gott ins Bild rückt. Wie Freeman mit natürlicher Autorität auftritt und dabei doch immer heiter und gelassen wirkt, ist großartig gespielt. Ihm gelingt es, völlig banale Sätze wie universelle Weisheiten klingen zu lassen.</P><P>Passenderweise ist Carrey an Freemans Seite als zappelnder Durchschnitts-Egoist am glaubwürdigsten. Und so sind die Szenen, in denen beide über das Leben philosophieren, die schönsten. Denn Bruce stellt Gott die Fragen, die man selber stellen würde, und der Herr antwortet genau das, was man schon weiß, aber nicht hören will. Es bleibt also schwierig im Himmel und auf Erden, aber Gott kann nichts dafür. Die Hölle sind wir selber, diese bittere Botschaft schimmert immer durch, selbst wenn der Film in den Klamauk abgleitet. Dass am Ende das Glück im stillen Winkel als Ausweg angedeutet wird, wirkt wie ein verlegener Akt der Selbsttäuschung. Ein bisschen heile Welt muss im Kino sein, wenn's sie schon sonst nirgends gibt. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Gloria, Münchner Freiheit, Cadillac, Sendlinger Tor, Kino Solln, Cinema i.O.)<BR>"Bruce Allmächtig"<BR>mit Jim Carrey, Morgan Freeman<BR>Regie: Tom Shadyac<BR>Annehmbar </P><P><BR> </P>

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