Verwelkende Romanze

- Natürlich, ganz neu ist die Geschichte nicht: Frau und Mann treffen sich, mögen sich und ziehen zusammen. Dann geht die Leidenschaft irgendwo zwischen Fernsehabend und Abwasch verloren. Der deutsche Begriff für solche Filme heißt Beziehungskomödie, und das klingt fast genauso attraktiv wie Zahnschmerzen.

Aber es wäre unfair, deswegen "Trennung mit Hindernissen" voreingenommen gegenüber zu treten. Denn Regisseur Peyton Reed hat die Chronologie einer verwelkenden Romanze mit viel Gespür für seine beiden Emotions-Legastheniker und einem genauen Blick für die kleinen, aber entscheidenden Widrigkeiten, die das Leben zu zweit zur Hölle machen können, inszeniert.

Brooke (Jennifer Aniston) und Gary (Vince Vaughn) sind ein Traumpaar. Jung, attraktiv und erfolgreich sind sie, und alle um sie herum rechnen mit einer baldigen Hochzeit samt Familiengründung. Aber es gibt da leider dieses gravierende Kommunikationsproblem. Sie will reden und an der Beziehung arbeiten. Er hat keine Ahnung, weshalb er nach Büroschluss auch noch zu Hause ständig an etwas arbeiten - und, viel schlimmer, ständig darüber reden muss, weshalb er nicht an der Beziehung arbeiten möchte.

Miese kleine Scharmützel

Die Autoren (unter ihnen übrigens Vince Vaughn) haben entweder bei anderen oder sich selber genau hingesehen und zugehört: Das dauernde Hickhack um Kleinigkeiten, bei denen es freilich immer auch ums Prinzip geht, ist perfekt eingefangen. Es kommt, wie es kommen muss. Sie will ihn nach einem eskalierenden Streit um den Abwasch (Sie: Ich will nicht nur, dass Du mir beim Abwasch hilfst, ich will, dass Du es wirklich willst. Er: Warum sollte ich das wollen?) mit demonstrativer Missachtung erziehen.

Er will aber als erwachsener Mann nicht erzogen werden und reagiert trotzig. Wenn sie ihn nicht so akzeptiert, wie er ist, war es das eben. Dumm ist nur, dass er nicht wirklich erwachsen ist, und sie in Wahrheit keine Ahnung hat, wozu sie ihn erziehen möchte.

Trennung also, was beide eigentlich nicht wollen. Noch schwieriger wird es, als sich beide weigern, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Die miesen kleinen Scharmützel sind anfangs amüsant, werden aber im Laufe des Films immer bitterer. Zwei Menschen, die sich lieben, fügen sich aus gekränktem Stolz und Ignoranz immer hinterhältigere Verletzungen zu.

Vaughn und Aniston spielen das mit bittersüßer Ambivalenz. Die paradoxe Genugtuung, das Gegenüber an den empfindlichsten Stellen treffen zu können und das gleichzeitig zu bedauern, stellen beide berückend glaubwürdig da. Insbesondere Aniston überrascht mit dem Mut, ihre Figur gelegentlich unsympathisch erscheinen zu lassen. Als Reifere von beiden treibt sie den Rosenkrieg bis zu dem Punkt, an dem es keine Umkehr mehr gibt.

Am Ende bleibt nur leise Verzweiflung und die uralte Erkenntnis, dass es nichts Schlimmeres gibt als den Satz: Ich hatte einmal und habe es nicht mehr. Es ist mithin keine echte Komödie, eher eine fatalistische Abhandlung über Männer, Frauen und die schier unüberbrückbare Kluft des einvernehmlichen Wahnsinns dazwischen. Ein melancholisches Lustspiel für alle, die noch an die Liebe, aber nicht mehr an Happy Ends glauben.

(Ab morgen in München: Mathäser, Maxx, Royal, Gloria, Leopold, Cadillac, Autokino, Cinema i.O.)

"Trennung mit Hindernissen"

mit Jennifer Aniston, Vincent Vaughn

Regie: Peyton Reed

Sehenswert ***

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kinostart von „Ich-Einfach unverbesserlich 3“: Dieses Detail verrät der neue Trailer
Kurz bevor „Ich - Einfach unverbesserlich 3“ in den Kinos anläuft, gibt es einen zweiten Trailer zum neuen Minions-Film. Alles, was Sie zu Kinostart und den …
Kinostart von „Ich-Einfach unverbesserlich 3“: Dieses Detail verrät der neue Trailer
Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Den von J. K. Rowling erfundenen Zauberlehrling Harry Potter aus Hogwarts kennt jeder. Doch die Produzenten eines anderen Films werfen der Schriftstellerin vor, die Idee …
Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore
Trauer um Roger Moore: Der James-Bond-Darsteller ist mit 89 Jahren an Krebs gestorben. Hier lesen sie einen Nachruf auf Roger Moore. 
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore

Kommentare